2015/05/30

Über Wikingerschach, Renovierungsarbeiten und eine kunterbunte Regenbogentorte

Bevor ich mit dem eigentlichen Post beginne, möchte ich sagen, dass es mir schon wieder etwas besser geht. Die letzten Wochenenden habe ich viel Zeit bei meiner besten Freundin verbracht. Hierbei haben wir sogar ein neues Hobby für uns entdeckt: Wikingerschach spielen. So habe ich gar nicht so viel Zeit zum Traurigsein gehabt. :)

Nun aber zum eigentlichen Post.

Marc und ich waren die letzten zwei Tage sehr fleißig. Wir haben das Regenwetter ausgenutzt und unser Wohnzimmer neu gestrichen. Eine Wand weiß und eine Wand grün. Das haben wir schon lange vorgehabt. Denn das Vanillegelb, was wir uns damals beim Einzug in die Wohnung ausgesucht haben und damit die meisten Wände gestrichen haben, gefällt uns nicht mehr. Es wurde also Zeit für etwas Neues.

Nachdem wir noch ein paar Kleinigkeiten wie Klebeband und Abdeckplanen im Baumarkt gekauft haben (die Farbe haben wir bereits vor ein paar Wochen im Angebot ergattern können) und uns in alte Anziehsachen geschmissen haben, konnte es auch schon losgehen. Wohnzimmermöbel in die Mitte rücken, Abdeckplanen auf dem Boden verlegen, alle Kanten, Steckdosen usw. mit Klebeband abkleben, dann alle Kanten, Steckdosen usw. mit einem kleinen Pinsel vorstreichen und letztendlich die Wände mit der Rolle streichen. Marc mit der großen Rolle, ich mit der Kleinen. Erst weiß, dann grün.

Und schon war es geschafft.

Ich muss jedoch zugeben, dass das Abwaschen der Malutensilien immer eine ganz schöne Schmiererei ist. Das ist bei mir der mit Abstand unbeliebteste Teil beim Streichen. Doch das Platzieren der Möbel ging dieses Mal super schnell. Ich Fuchs habe nämlich ganz am Anfang mit Klebeband markiert, wo genau die Möbel standen. :D

Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Nächste Woche geht’s dann weiter mit unserem Flur – wenn nicht gerade 30 Grad draußen sind.

















Nun freue ich mich schon am Wochenende die neue N#MMER zu lesen. Diese landete bereits letzte Woche in unserem Briefkasten. Doch ich bin noch gar nicht dazu gekommen darin zu lesen. Das muss dringend nachgeholt werden. :)

Nadine

Ach ja. Was ich euch noch zeigen wollte: Ich habe letztes Wochenende für meine kleine Cousine eine kunterbunte Regenbogentorte zum Geburtstag gebacken. Die Torte besteht aus 6 verschiedenfarbigen Biskuitböden und wird mit einer Creme aus Frischkäse und weißer Schokolade umhüllt. Und natürlich mit ganz vielen Smarties verziert (das Wichtigste!). Sehr lecker. Und ein echter Hingucker. Das Rezept für die Regenbogentorte habe ich bei Baby, Kind und Meer gefunden. Ein ganz toller Familienblog übrigens. :)



2015/05/12

Der schwerste Abschied seit Langem ...

Zweieinhalb Jahre, 80 Stunden Verhaltenstherapie und ein Casper Konzert später.


Letzten Donnerstag habe ich meine allerletzte Stunde Verhaltenstherapie gehabt. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für maximal 80 Stunden. Danach ist Schluss. Unabhängig vom Zustand. Erst nachdem man zwei Jahre ausgesetzt hat, ist es wieder möglich, solch eine Therapie zu beantragen.

Doch was ist mit den Menschen, die über die 80 Stunden hinaus Hilfe und Unterstützung benötigen, die vielleicht 86, 93, 101 oder sogar noch mehr Stunden benötigen? Die JETZT und nicht erst in zwei Jahren Hilfe und Unterstützung benötigen? So wie ich? Wenn ich ehrlich bin, fühle ich mich einfach noch nicht stark genug, da draußen ganz allein zurechtzukommen …

Der Abschied ist mir dementsprechend schwer gefallen. Ich bin unendlich traurig darüber, dass meine Verhaltenstherapie nun zu Ende ist und habe große Angst, vor dem, was in nächster Zeit noch auf mich zukommen wird. Die Stunde davor gab es deshalb schon einige Tränen. Und auch dieses Mal musste ich mich ganz schön zusammenreißen nicht jeden Moment loszuheulen. Ein letztes Mal im Wartebereich warten, ein letztes Mal dem netten Herrn mit dem Klapprad, der meistens vor mir einen Termin hat, auf Wiedersehen sagen und einen schönen Tag wünschen, ein letztes Mal unterschreiben, dass ich die Stunde wahrgenommen habe, ein letztes Mal in meinem Sessel sitzen, auf dessen Stoff man tolle Muster mit dem Finger malen kann, ein letztes Mal mit meiner Therapeutin über all das was mich im Moment gerade bewegt reden … Diese Gedanken taten mir unheimlich weh. Dennoch habe ich versucht die letzte Stunde noch einmal für mich zu nutzen. Ich habe mit meiner Therapeutin noch einmal über die schwierige Situation zwischen meinen Großeltern und mir gesprochen, zu welchen ich derzeit leider kaum Kontakt habe. Passend dazu gab es noch eine letzte Kritzelei von meiner Therapeutin. Als das Klingeln des Handyweckers darauf hinwies, dass die Stunde gleich vorbei sein wird, habe ich ihr noch schnell meine Karte zugeschoben, die ich zum Abschied für sie geschrieben habe.

An dieser Stelle ein megagroßes, ganz herzliches, bedeutungsvolles, phänomenales, atemberaubendes, hochgeschätztes, überaus angemessenes, prächtiges, außerordentliches, bemerkenswertes, einzigartiges, beachtliches, überwältigendes, beträchtliches, absolut überragendes, sensationelles … Danke an meine Therapeutin für die vielen, guten Gespräche, all die aufmunternden und ermutigenden Worte und ihre große Hilfsbereitschaft.

Ich werde die Zeit dort immer in guter Erinnerung behalten.

Nachdem meine Therapeutin und ich uns mit einem Händeschütteln voneinander verabschiedet haben, habe ich mich sogleich mit zitternden Knien und Tränen in den Augen auf dem Weg zum Auto gemacht, in dem Marc schon auf mich gewartet hat. Im Regen. Passender hätte das Wetter in diesem Moment zu meiner Stimmung nicht sein können.

Doch auch wenn die Traurigkeit und die Leere, die ich derzeit verspüre, sicherlich noch einige Tage anhalten werden, bin ich mir sicher, dass auch für mich irgendwann wieder die Sonne scheinen wird.

Denn wenn ich eins in den letzten zweieinhalb Jahren gelernt habe, dann, dass nach Regen auch wieder Sonne kommt.

Zum Schluss habe ich noch eine gute Neuigkeit. Marc hat am selben Tag einen Probearbeitstag bei einer Werbeagentur gehabt und konnte den Job tatsächlich für sich ergattern. Das freut mich wirklich sehr. Wenn er die Tage seinen Arbeitsvertrag unterschreiben wird, werden wir darauf noch einmal ordentlich anstoßen.

Nadine


P.S.: Das Lied “Heaven” von The Walkmen läuft bei mir seit Tagen rauf und runter. Dieses habe ich auch am Donnerstag auf der Autofahrt zurück gehört. Allen, die die letzte Folge von "How I met your mother" gesehen haben, dürfte das Lied bekannt vorkommen. Ein wunderschönes Lied!

The Walkmen – Heaven

Our children will always hear
Romantic tales of distant years
Our gilded age may come and go
Our crooked dreams will always flow

Stick with me
Oh you're my best friend
All of my life
You always been

Remember remember
All we fight for

Remember remember
All we fight for

Don't leave me
Oh you're my best friend
All of my life
You always been
Don't leave me now
You're my best friend
All of my life
You always been

Remember remember
All we fight for
Remember remember
All we fight for

2015/04/29

Neuer Lesestoff: N#MMER 2 - Jetzt reden wir!

Es gibt noch mehr gute Neuigkeiten! Auch die zweite Ausgabe des N#MMER Magazins befindet sich derzeit im Druck.





(Nicht wundern: die Fotos wurden nachträglich von mir eingefügt.)

Die N#MMER 2 beschäftigt sich mit dem Schwerpunkt Kunst und Medien. Unter anderem sind in dieser Ausgabe Themen wie Asperger und AD(H)S im Film, Autismusmetaphern, AD(H)S und Gaming, Medien-Bullshit-Bingo (darauf freue ich mich besonders :D), Einsamkeit und MMS zu finden. Außerdem gibt es ein Interview mit Franziska Pigulla und ein Interview mit Rudy Simone.

Vorbestellen könnt ihr die N#MMER 2 hier. Dort erhaltet ihr auch einen kleinen Einblick in die neue Ausgabe. :)

Übrigens:

Denise Linke, Herausgeberin und Chefredakteurin der N#MMER, verkündete auf Twitter mit den Worten „Ich hab da mal ein Buch geschrieben“, dass sie ein Buch geschrieben hat. Darüber musste ich sehr schmunzeln. Hihi. Das Buch trägt den Titel „Nicht normal, aber das richtig gut - Mein wunderbares Leben mit Autismus und ADHS“ und wird voraussichtlich im Oktober 2015 erscheinen.

Nadine

2015/04/28

Neuer Lesestoff: Schattenspringer - Per Anhalter durch die Pubertät

Endlich ist es soweit! Am 16.06.2015 erscheint der zweite Teil des Schattenspringers bei Panini Comics: Schattenspringer – Per Anhalter durch die Pubertät. Ich freue mich so! :)

Auf der Internetseite von Panini Comics steht folgendes über den Inhalt geschrieben:

„Mit ihrem Debüt Schattenspringer - Wie es ist, anders zu sein hat Daniela Schreiter eine autobiographische Graphic Novel vorgelegt, die unterhaltsam und berührend ihre Kindheit und Jugend als Asperger-Autistin nachzeichnet. In der Fortsetzung Schattenspringer - Per Anhalter durch die Pubertät geht es vor allem um die schwierige Zeit des Erwachsenwerdens, und die erste Klassenfahrt war ein großer Schritt in diese Richtung. Außerdem geht es um die erste Liebe, das Studium und am Ende im Erwachsenenalter die Diagnose: Was ändert sich, wenn das Gefühl des Andersseins plötzlich den Namen Asperger trägt?“

Klingt spannend, oder?

Für alle, die es so wie ich, gar nicht mehr abwarten können das Buch in den Händen zu halten und zu lesen, die können bereits auf dem Blog von Daniela Schreiter einen ersten Blick in das Buch werfen. Dort hat sie in den vergangenen Wochen immer mal wieder eine Vorschauseite aus dem neuen Schattenspringer veröffentlicht.

Vorschauseite 1 - Klassenfahrt

Vorschauseite 2 - Durst- und Hungergefühl

Vorschauseite 3 - Depressionen

Vorschauseite 4 - Akzeptanz

Vorschauseite 5 - Liebe

Vorbestellen könnt ihr den neuen Schattenspringer hier.

Nadine

2015/04/13

Über Crêpes im Regen, eine Gehirnerschütterung und die Osterfeiertage - Unsere zwei Wochen Urlaub an der Ostsee

Da sind wir wieder!

Marc und ich waren nämlich die letzten zwei Wochen bei seinen Eltern zu Besuch, meinen fast Schwiegereltern sozusagen. :-) Diese bewirtschaften nicht nur nebenbei einen kleinen Bauernhof, sondern wohnen auch noch ganz in der Nähe von der Ostsee und Dänemark. Auch bis zur Nordsee ist es nicht weit. Wir beide verbringen dort oben jedes Mal sehr gerne Zeit und genießen vor allem die Nähe zum Meer sehr. Das ist fast wie Urlaub. Auch dieses Mal habe ich mich wieder sehr darauf gefreut, an die Ostsee zu fahren. Die innere Anspannung ist in den Tagen davor wieder unerträglich hoch gewesen, sodass sich zuletzt die Overloads und Meltdowns nur so häuften. Super anstrengend! Da konnte ich eine kleine Auszeit ganz gut gebrauchen.

Als wir im hohen Norden ankamen, wurden wir mit frisch gebackenen Waffeln von Marcs Mama begrüßt. Mmhh Lecker! Danach ging es gleich raus an die frische Luft die ersten Sonnenstrahlen genießen. Natürlich in Gummistiefeln. Denn das Wetter war in den letzten Tagen sehr wechselhaft. Mal schien die Sonne, mal regnete es. Typisch Norddeutsch halt. ;-)

Ich muss jedoch gestehen, dass es mir die ersten zwei, drei Tage ziemlich schwer gefallen ist, abzuschalten und all den Stress der letzten Wochen einfach hinter mir zu lassen, obwohl ich mich so sehr auf die Zeit dort oben gefreut habe. Doch irgendwann trat auch bei mir die Urlaubsstimmung ein.

Wir haben in den zwei Wochen den 55. Geburtstag von Marcs Papa gefeiert, waren am Flensburger Hafen und in der Flensburger Altstadt spazieren, haben meine Lieblingsnudeln bestellt, waren in Kronsgaard am Strand, haben Marcs Opa im Altersheim besucht, waren bei Marcs Bruder und dessen Freundin zum Essen und Monopoly spielen eingeladen (wobei ich haushoch verloren habe), sind durch die Flensburger Innenstadt gebummelt, haben im Regen Crêpes gegessen, waren bei Hans im Glück Burger essen und sind Trecker gefahren. Außerdem waren wir vier Mal schwimmen.

Allerdings war ich, als wir am Donnerstagabend vor Ostern noch einmal schwimmen gewesen sind, wohl ein bisschen zu motiviert. Da habe ich mir versehentlich beim Rückenschwimmen den Kopf am Beckenrand gestoßen und mir dabei vermutlich eine leichte Gehirnerschütterung zugezogen. Diese machte sich jedoch erst am nächsten Tag bemerkbar. Karfreitag musste ich mich gleich nach dem Frühstück übergeben und mir war den ganzen Tag lang schrecklich schwindelig. Am Samstag haben wir sogar kurzzeitig überlegt ins Krankenhaus zu fahren, wenn es nicht besser werden sollte. Doch der Schwindel wurde zum Glück von Stunde zu Stunde weniger, sodass ich um das Krankenhaus noch einmal herum gekommen bin. Samstagnachmittag habe ich dann mein Krankenlager nach draußen verlegt. Dort habe ich es mir mit einer Decke und einer Wärmflasche auf einer Liege in der Sonne gemütlich gemacht und mich weiterhin ausgeruht, während Marc die Autoreifen gewechselt hat.

Ostersonntag ging es mir schon viel besser. Nachdem wir gemütlich mit Marcs Familie gefrühstückt haben, haben wir uns auf den Weg nach Glücksburg zum Strand gemacht und dort das tolle sonnige Osterwetter genossen.

Ostermontag haben wir den 75. Geburtstag von Marcs Oma gefeiert und sie zum Geburtstag mit einer selbstgebackenen Donauwelle überrascht.

Das waren sie auch schon: unsere zwei Wochen Urlaub an der Ostsee. Die Zeit ist mal wieder viel zu schnell vergangen. Doch bis zum nächsten Besuch bei Marcs Eltern ist es bestimmt nicht mehr lang. :-)

Viel Freude beim Ansehen der Fotos.

Nadine

























































2015/03/15

Das Persönliche Budget (4)

Es ist geschafft!

Mit der Hilfe von meiner Psychologin - die glücklicherweise sehr verständnisvoll reagierte - konnte ich den Bogen nun endlich ausfüllen. Sie ist am Freitag noch einmal in Ruhe (!) alle Fragen mit mir durchgegangen und hat mir dazu Stichpunkte aufgeschrieben. Diese habe ich dann das Wochenende über noch einmal zusammengefasst.

Gleich am Montag haben Marc und ich uns dann erneut auf den Weg zu meiner Psychiaterin gemacht. So schnell lasse ich mich nämlich nicht unterkriegen! Im Auto habe ich mich mit Marc schon auf sämtliche Diskussionen versucht vorzubereiten und den einen oder anderen Satz eingeübt. Doch das Gespräch lief ganz anders ab als erwartet. Keine Diskussion am Empfang. Dieses Mal durfte ich sogar kurz ins Sprechzimmer. Dennoch hat sie das, was ich ausgefüllt habe, nur grob überflogen. Ihre einzige Antwort darauf: „Gut, dass Sie alles so ausführlich ausgefüllt haben. Sie waren ja richtig fleißig.“ Ich weiß bis heute noch nicht, ob ich über diese beiden Sätze lachen oder weinen soll. Daraufhin fing sie an hier und da noch schnell ein paar Fragen von ihrem Teil auszufüllen. Bei vielen Fragen habe ich ihr noch helfen müssen, da sie kaum etwas über das Asperger-Syndrom wusste (wie leider die meisten Ärzte). Den Rest wollte sie mir dann die Tage per Post zukommen lassen.

Der Brief mit meinen Unterlagen landete tatsächlich nur drei Tage später in unserem Briefkasten. Doch das (nicht) Ausfüllen der Fachärztlichen Stellungnahme hat sich meine Psychiaterin – wie längst vermutet - gut bezahlen lassen. In dem Brief befand sich nämlich versehentlich in dreifacher Ausführung die Liquidation, die eigentlich für das Gesundheitsamt bestimmt gewesen ist.

Muss ich nichts mehr zu sagen, oder?

Letztendlich hätte ich mir einfach mehr Einfühlungsvermögen und Verständnis von meiner Psychiaterin gewünscht, einfach mehr Menschlichkeit. Ich kann zwar verstehen, dass sie nicht gleich sofort den Bogen ausfüllen konnte. Dafür kennt sie mich zu wenig. Doch warum hat sie nicht mit meiner Hilfe den Bogen ausgefüllt oder sich mit meiner Psychologin telefonisch auseinandergesetzt? Ihr ging es offenbar nur um das Geld. In Zukunft werde ich mich auf jeden Fall nach einer neuen Psychiaterin oder auch nach einem neuen Psychiater umhören. Ganz egal. Hauptsache ich muss dort nicht mehr hin.

Nun freue ich mich auf zwei Wochen Ostsee. Marc und ich werden nämlich die Osterfeiertage bei seinen Eltern verbringen. Mal wieder etwas anderes sehen und hören. Und vor allem ganz viel frische Meeresluft schnappen!

Nadine


P.S.: Im Moment läuft das Lied „Who needs you“ von The Orwells bei mir rauf und runter. Treffender könnte der Titel nicht sein.

2015/03/07

Das Persönliche Budget (3)

Was für eine Woche!

Am Montag habe ich – nach über vier Wochen Wartezeit – ein Gespräch mit meiner Psychiaterin gehabt, indem es darum ging, die fachärztliche Stellungnahme für das Persönliche Budget auszufüllen (so einen Bogen, den ich zugeschickt bekommen habe).

Da die Aufregung vor diesem Termin meinerseits sehr groß gewesen ist, habe ich mir Marc als seelische Unterstützung mitgenommen, doch dieser durfte erst gar nicht mit ins Sprechzimmer reinkommen. Die erste große Enttäuschung. Im Sprechzimmer angekommen, hat meine Psychiaterin sich sehr darüber gewundert, warum ich überhaupt jemanden mitnehmen wollen würde. Immerhin wäre ich doch schon 23 Jahre alt. Das sollte doch auch so zu schaffen sein. Sie kenne das nur von unter 18-jährigen oder älteren Menschen, dass diese in Begleitung kommen würden. Die zweite große Enttäuschung. Diese Aussage hat mich sehr getroffen. Außerdem hat es mir gezeigt, dass sie offenbar nichts von mir und meiner Problematik verstanden hat. Ab diesem Zeitpunkt ging bei mir so gut wie gar nichts mehr – kopftechnisch. Das Gefühl der Enttäuschung hatte mich wortwörtlich überrollt.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal loswerden: Nur weil man mir meine Behinderung nicht ansieht, heißt dass nicht, dass ich keine Probleme und Schwierigkeiten habe!

Auch das weitere Gespräch lief sehr bescheiden. Das Persönliche Budget kannte meine Psychiaterin leider nicht. Ich habe zwar versucht ihr zu erklären, was das Persönliche Budget ist und was ich damit machen möchte, doch ich glaube nicht, dass sie nun weiß, wobei es sich um das Persönliche Budget handelt. Dafür standen einfach noch zu viele Fragezeichen auf ihrem Gesicht. Den Bogen hat sie sich zwar durchgesehen und auch ein paar Worte dazu gesagt, doch es hat sich relativ schnell rausgestellt, dass sie die meisten Fragen nicht beantworten kann. Diese sollte ich dann zuhause beantworten und am nächsten Tag bei ihr reinreichen. Öh ja. Das sind dann mal so eben fast 80 % des Bogens gewesen. Innerlich war ich damit überhaupt nicht einverstanden, nach außen hin habe ich nur „ja“ gesagt und alles einfach so hingenommen. So langsam machten sich neben Enttäuschung auch Wut und Verzweiflung breit. Das hatte ich mir irgendwie alles anders vorgestellt. Ich habe mich völlig übergangen gefühlt. Im Wartezimmer, als ich mir meine Jacke angezogen habe, musste ich mich ganz schön zusammenreißen, nicht gleich loszuheulen. Nun kritzeln meine Psychiaterin und ich im Bogen gemeinsam rum. Das passt in meinem Kopf überhaupt nicht zusammen. Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob ich das überhaupt ausfüllen darf bzw. ob das überhaupt meine Aufgabe ist?!

Zuhause angekommen, habe ich mich dennoch mit Marc an den Bogen gesetzt und versucht, die Fragen zu beantworten. Doch die Zeit war knapp, mein Kopf voll bis obenhin und ich emotional total aufgewühlt. Konzentration also gleich null. Außerdem sind die Fragen viel zu offen gestellt gewesen. Ich wusste einfach nicht, was für eine Antwort erwartet wird, wie weit ich ausholen soll, was bedeutend ist und was eher unbedeutend? Zudem wusste ich nicht, wie ich meine Antworten formulieren soll. Ich konnte ja wohl schlecht in einem Bogen der mich und meine derzeitige Situation beurteilen soll in der Ich-Form schreiben, oder? Doch aus der Sicht von jemand anderem zu schreiben bzw. „neutral“ zu schreiben, fiel mir super schwer. Kurz gesagt: Ich war mit dem Ausfüllen des Bogens komplett überfordert. So kam es, dass ich mich letztendlich bei meiner Psychologin gemeldet und um einen Notfalltermin gebeten habe. Zum Glück habe ich am Freitag spontan einen Termin bekommen. Dafür bin ich immernoch sehr dankbar! Der Tag war dennoch gelaufen. Am Abend gab es noch einige Tränen. Ich habe mich von meiner Psychiaterin einfach überhaupt nicht ernst genommen gefühlt.

Am nächsten Tag hat es mich echt viel Überwindung gekostet dort ein zweites Mal hinzugehen und die Sache mit dem nicht ausgefüllten Bogen zu klären. Ich habe schon die ganze Zeit ein ungutes Gefühl gehabt. Und was soll ich sagen? Mein ungutes Gefühl hat sich bestätigt. Es lief genauso bescheiden wie am Tag zuvor. Als ich im Wartzimmer saß, hat die Sprechstundenhilfe mich gebeten, ihr den Bogen zu geben, damit sie schon einmal einen Blick darauf werfen kann. So habe ich natürlich nicht die geringste Chance gehabt überhaupt ein Wort dazu zu sagen. Ich habe mich schon mit ihr diskutierend im Wartezimmer gesehen – vor all den anderen Patienten. Doch sie hat mich glücklicherweise kurz danach nach vorne zum Empfang gerufen und mir offenbart, dass das ein bisschen wenig sei. Nachdem ich ihr daraufhin versucht habe zu erklären, dass ich den Bogen nicht alleine ausfüllen kann, aber ein Gespräch mit meiner Psychologin am Freitag vereinbart habe, kam auch endlich meine Psychiaterin dazu. Ihr habe ich noch einmal dasselbe versucht zu erklären. Nebenbei durfte ich mir von der Sprechstundenhilfe anhören, dass ich ja schon einmal dies und das hätte ausfüllen können. Nur blöd, dass sie den Teil meinte, den meine Psychiaterin ausfüllen wollte … Ohne Worte. Auch meine Psychiaterin konnte nicht verstehen, warum ich den Bogen nicht ausgefüllt habe. Sie versuchte mir dann zwischen Tür und Angel die Fragen, bei denen ich besonders große Schwierigkeiten gehabt habe, zu erklären. Erfolglos. Letztendlich habe ich dann den Antrag wieder mitnehmen müssen, da meine Psychiaterin das, was ich ausfülle, erst sehen muss, bevor sie etwas ausfüllen kann. Also darf ich dort nächste Woche wieder hinfahren. Die Freude ist groß …

Fortsetzung folgt!

Nadine