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2015/10/15

Ein Neuanfang

Es gibt gute Neuigkeiten.

Vor wenigen Tagen habe ich einen Termin in einem psychiatrischen Zentrum gehabt und dem dort behandelnden Arzt, einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, noch einmal meine derzeitige Situation geschildert.

Dieser reagierte glücklicherweise sehr verständnisvoll und machte mir den Vorschlag wieder mit Ergotherapie zu beginnen. Ich habe nämlich noch immer große Schwierigkeiten bestimmte alltägliche Aufgaben wie z.B. das Telefonieren zu erledigen, mit den immer wiederkehrenden Reizüberflutungen umzugehen, abzuschalten und zur Ruhe zu kommen oder auch mich längere Zeit auf etwas zu konzentrieren. Zudem möchte er sich dafür einsetzen, dass ich in naher Zukunft eine tiefenpsychologische Psychotherapie (was für ein kompliziertes Wort!) beginnen kann.

Doch es gibt noch mehr gute Neuigkeiten.

Ich habe bereits die ersten zwei Stunden Ergotherapie gehabt.

Das hat sich alles ganz kurzfristig entschieden. In der Praxis hat nämlich gerade zufällig eine neue Ergotherapeutin angefangen zu arbeiten und konnte dadurch den einen oder anderen Patienten von der Warteliste übernehmen. Unter anderem auch mich.

Die Aufregung war daher ziemlich groß!

Kurz vor dem anstehenden Termin bin ich noch einmal gemeinsam mit Marc den Weg zu der Praxis mit Bus und Stadtbahn abgefahren, da diese sich in einem Stadtteil befindet, in dem ich bisher kaum gewesen bin. So musste ich mir keine großen Gedanken mehr über den Weg dorthin machen und konnte mir vor Ort schon einmal einen ersten Eindruck von der Praxis verschaffen (Türen und Klingeln können manchmal zu meinen größten Feinden werden, wenn ich aufgeregt bin).

In den ersten beiden Stunden habe ich meiner Ergotherapeutin erst einmal ein bisschen was über mich erzählt. Daraufhin haben wir gemeinsam angefangen mithilfe eines Fragebogens Ziele zu erarbeiten und aufzuschreiben, die wir in den kommenden Stunden erreichen wollen. Außerdem hat sie mir noch einmal das Klopfen gezeigt. Eine Entspannungsübung, die ich z.B. durchführen kann, wenn ich aufgeregt bin.

Ich freue mich schon auf die weiteren Stunden dort und bin ganz gespannt, was noch alles auf mich zukommen wird.

Im Moment habe ich erst einmal 10 Stunden Ergotherapie à 60 – 75 Minuten verordnet bekommen. Doch weitere Stunden werden ganz sicher folgen.

Ein Neuanfang ist gemacht! Und das ist ein wirklich gutes Gefühl! Nun muss ich nur noch all meinen Mut zusammennehmen und bei der Psychotherapeutin anrufen, welche mir vom psychiatrischen Zentrum empfohlen wurde, um einen Termin für ein Erstgespräch zu machen. Aber das schaffe ich auch noch!

Das Angebot seitens des Persönlichen Budgets, die Kreativschule zu besuchen, habe ich übrigens erst einmal abgelehnt.

Nadine


Frittenbude – Die Möglichkeit eines Lamas

Ist das nun alles schwarz-weiß oder war es sehr bunt
Es ist nicht klug oder schlau, es geht um laut oder stumm
Und auch um ja oder nein, es geht um Mensch oder Maus
Es ist Tagaus und Tagein, einfach Tagein und Tagaus
Wie dieser Marathonlauf um den Platz an der Sonne
Und wir tragen ihn aus auch wenn wir niemals ankommen
Wir schlagen uns auch dazu die Nacht um die Ohren
Um nicht zu vergessen, zu wissen, sonst geht alles verloren
Wir haben es schon vor jenen Jahren gewusst
Das ist das hier und das jetzt, ist der erhabende Stuss
Der für uns die Welt ist, der für uns zählt und das fällt nicht
Mal so sehr aus dem Rahmen wie wir immer dachten
Es ist alles ganz einfach Kein Drama
Da ist er, der Wind, die Möglichkeit eines Lamas
Die nächste Phase, der nächste Abschnitt dieser endlosen Straße

Diese Straße, sie führt dich irgendwo hin
Vielleicht führt sie dich aber auch nirgendwo hin
Aber Nirgendwo muss ja auch irgendwo sein
Und irgendwann findet jeder mal Heim


Wir sind nicht immer dagegen, aber auch selten dafür
Was helfen uns Worte und Reden, man muss das Leben schon spürn'
Wir wollen mehr als euch lieb ist und geben mehr als wir können
Wir sind erst wirklich zufrieden wenn wir durchbrechen
Wenn wir ausbrechen, wir drängen hinaus, wir laufen hinab und rennen hinauf
Auf dem vom Tag warmen Dach über der schlafenden Stadt
Sind wir gelegen und träumten, was ist davon geblieben?
Wir wollten das Leben erleben, alle Monster und Riesen im
Armrücken besiegen, bis die Sonne uns auffrisst und am Ende ein Meer
Diese Straße ist alles, diese Straße ist mehr
Mehr als schwarz-weiß, mehr als nur Teer
Mehr als schwarz-weiß, mehr als nur Teer

Tage, Jahre fahren vorbei
Tage, Jahre. Tage, Jahre
Tage, Jahre. Tage, Jahre

Diese Straße, sie führt dich irgendwo hin
Vielleicht führt sie dich aber auch nirgendwo hin
Aber Nirgendwo muss ja auch irgendwo sein
Und irgendwann findet jeder mal Heim [2x]


2015/09/17

Das Persönliche Budget (6) oder auch die nie enden wollende Geschichte

In den letzten Wochen ist einiges passiert.

Ich habe Ende Juli endlich die Hilfekonferenz gehabt (nach über sieben Monaten Wartezeit, von Antragsstellung bis hin zu diesem alles entscheidenden Gespräch).

Gleich morgens haben Marc und ich uns auf dem Weg Richtung Hannover zum Sozialpsychiatrischen Dienst gemacht und dort etwas über eine Stunde lang mit einer Psychologin, einer Pädagogin und einer Angestellten von der Stadt, welche lediglich für den finanziellen Teil verantwortlich gewesen ist, an einem runden Tisch sitzend gesprochen. Erfolglos.

Mein Antrag auf das Persönliche Budget wurde abgelehnt. Als Begründung wurde uns genannt, dass die meisten von mir angegebenen Maßnahmen „medizinischer Natur“ seien und im Zuständigkeitsbereich der Krankenkasse liegen würden.

Doch das Problem ist, dass sich meine Krankenkasse leider für mich im Moment auch nicht zuständig fühlt. Diese übernehmen erst nach einer zweijährigen Therapiepause die Kosten für weitere Therapien wie z.B. Tiefenpsychologie, da ich ja gerade erst 80 Stunden Verhaltenstherapie gemacht habe.

Die Enttäuschung, Traurigkeit und Wut war (und ist auch immer noch) riesengroß. Wir haben sogar kurzzeitig die Hilfekonferenz unterbrechen müssen, da ich nichts mehr zu sagen wusste und mir nur noch die Tränen gelaufen sind. Mit solch einer Entscheidung habe ich überhaupt nicht gerechnet.

Um mich nicht komplett ohne etwas nach Hause zu schicken, wurde mir dann auf die Schnelle angeboten, dass ich die Kreativschule besuchen könne, da sie mit dieser Einrichtung zusammenarbeiten würden (so viel zum Thema Entscheidungsfreiheit). Zudem würde ich auch die dazugehörigen Fahrtkosten erstattet bekommen. Ich muss zugeben, dass ich nicht ganz davon abgeneigt bin, die Kreativschule zu besuchen, da ich bereits selbst vor der Hilfekonferenz auf die Kreativschule aufmerksam geworden bin, doch irgendwie ist das nicht das, was ich im Moment vorrangig brauche.

Seitdem hat sich in der Hinsicht kaum etwas getan. Zwar landete nach fast vier Wochen Wartezeit endlich der Ablehnungsbescheid in unserem Postkasten, doch eine Antwort auf meine E-Mail, in der ich noch einmal Fragen zu der Kreativschule und den dazugehörigen Fahrtkosten gestellt habe, habe ich bis heute noch nicht erhalten.

In den letzten Wochen ging es mir daher gar nicht gut und ich habe mich mal wieder sehr in meine eigene kleine Welt zurückgezogen. Die Art und Weise wie die Hilfekonferenz abgelaufen ist, die Ablehnung meines Antrags, das ewige Warten auf Nichts und vor allem das Gefühl versagt zu haben … zu viel!

Offenbar haben weder Marc, noch ich verstanden, was das Persönliche Budget ist und was genau es beinhaltet.

Das Gedankenkarussell drehte sich mal wieder unaufhörlich und die Fragen türmten sich nur so in meinem Kopf. Warum hat sich der Sozialpsychiatrische Dienst nicht früher bei mir gemeldet? Warum gibt es keine eindeutigen und verständlichen Informationen über das Persönliche Budget? Warum wissen selbst die Mitarbeiter vom Sozialpsychiatrischen Dienst nicht genau, was das Persönliche Budget ist und was es beinhaltet, wenn man danach fragt? Warum haben sie uns kein Informationsmaterial in Form eines Flyers, einer Broschüre oder ähnliches aushändigen können? Warum hat mich meine Neurologin nicht schon darauf hingewiesen, als sie die Fachärztliche Stellungnahme für den Antrag auf das Persönliche Budget ausgefüllt hat, dass ich mit den angegebenen Maßnahmen nichts erreichen werde? Warum lässt man mich so gegen die Wand laufen?

Da wird man irgendwie das Gefühl nicht los, dass gar nicht gewollt wird, dass man finanzielle Unterstützung erhält.

Fest steht: wir sind mal wieder kläglich im Behördendschungel gescheitert.

Ganz oft schwanke ich in den letzten Wochen zwischen „Jetzt erst recht!“ und „Ich will nicht mehr“ … wobei letzteres meist überwiegt. Das ist alles furchtbar frustrierend!

Nadine

2015/07/08

Immer ein offenes Ohr: Die Asperger-Beratungsstelle der Bernhard-Hermann-Bosch-Stiftung

In meinem letzten Post über das Persönliche Budget habe ich die Beratungsstelle für Menschen mit dem Asperger-Syndrom erwähnt und auch in meinen vorigen Posts ist immer mal wieder etwas darüber zu lesen. Deshalb möchte ich euch heute gerne mehr über die Beratungsstelle erzählen.

Die Beratungsstelle ist ein Angebot der Bernhard-Hermann-Bosch-Stiftung und richtet sich vor allem an Erwachsene mit dem Asperger-Syndrom in der Region Hannover.

Das Büro, in dem die Beratungsgespräche stattfinden, liegt im mitten in der kleinen Stadt Sehnde und ist ruhig und reizreduziert eingerichtet. Es arbeiten dort ausschließlich qualifizierte Fachberater, die selbst auch vom Asperger-Syndrom betroffen sind und dessen persönlichen Erfahrungen im Zusammenhang mit der Beratung oft sehr hilfreich sein können.

Ein Beratungsgespräch in Anspruch nehmen können

  • Menschen mit dem Asperger-Syndrom
  • Menschen, die den Verdacht haben, das Asperger-Syndrom zu haben
  • Angehörige von Menschen mit dem Asperger-Syndrom
  • Partner und Partnerinnen von Menschen mit dem Asperger-Syndrom
  • Fachkräfte die mit Menschen mit dem Asperger-Syndrom arbeiten
  • Institutionen, in denen Menschen mit dem Asperger-Syndrom arbeiten oder leben

Für jedes einzelne Beratungsgespräch wird sich viel Zeit genommen (bis zu zwei Stunden), um aufkommenden Druck zu vermeiden. Neben einem persönlichen Gespräch, ist es auch möglich sich am Telefon oder über E-Mails beraten zu lassen Und: Die Beratung ist kostenfrei.

Ich selbst habe durch meine Verhaltenstherapeutin von der Beratungsstelle erfahren und bin dort letztes Jahr im September das erste Mal gemeinsam mit Marc zu einem Beratungsgespräch gewesen, nachdem ich zu der Stiftung per E-Mail Kontakt aufgenommen habe. Marc und ich haben damals mit Herrn Wegener, dem Leiter der Beratungsstelle, gesprochen. Das Gespräch war sehr informativ und hilfreich. Herr Wegener ist sehr nett und verständnisvoll und weiß unfassbar viel über Autismus. Das hat mich schon damals total fasziniert. Wir haben fast 1 ½ Stunden miteinander gesprochen, auch wenn ich kaum ein Wort rausbekommen habe und von oben bis unten durchgeschwitzt gewesen bin, als ob ich einen Marathonlauf absolviert hätte. :D Ich war zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich orientierungslos, wie es nach meiner Verhaltenstherapie weitergehen soll und habe die eine oder andere Frage zum Persönlichen Budget gehabt.

Seitdem stehe ich mit Herrn Wegener im regelmäßigen Kontakt und kann mich jederzeit bei ihm melden – ganz egal, ob ich eine Frage habe oder ihm einfach nur von meinem weiteren Werdegang erzählen möchte.

Hier könnt ihr noch einmal alles über das Angebot der Beratungsstelle nachlesen. Dort findet ihr auch die Kontaktdaten.

Ich finde es richtig toll, die Möglichkeit zu haben, sich auch als Erwachsener Asperger-Autist, bei Fragen an jemanden wenden und sich beraten zu lassen zu können. Solche Angebote gibt es leider noch viel zu wenig. Und wenn, dann oftmals nur für Kinder und Jugendliche.

Also, habt nur Mut!

Nadine

2015/07/01

Das Persönliche Budget (5)

Es gibt gute Neuigkeiten!

Ich habe letzte Woche endlich einen Brief vom Sozialpsychiatrischen Dienst bekommen. Darauf warte ich schon seit Ende März. Zu diesem Zeitpunkt habe ich nämlich all die erforderlichen Unterlagen eingereicht bzw. einreichen müssen.

Nun steht fest: Die Hilfekonferenz zur Bedarfsermittlung wird Ende Juli stattfinden.

Ich bin schon jetzt super aufgeregt!

Marc wird mich auf jeden Fall als Vertrauensperson zu der Hilfekonferenz begleiten. Dennoch werden wir uns die Tage noch einmal an die Asperger-Beratungsstelle wenden, um mit jemanden darüber sprechen zu können, was mich auf der Hilfekonferenz erwarten wird. In dem Brief wurde mir nämlich lediglich das Datum, die Uhrzeit und der Ort der Hilfekonferenz mitgeteilt. Das ist … hm … sagen wir mal … sehr überschaubar. Doch wenn ich erst einmal Genaueres über die Dauer, den Ablauf und die Fragen, die eventuell gestellt werden könnten, weiß, dann hoffe ich, dass auch ich dem Termin etwas entspannter entgegen sehen kann. :)

Nach der Hilfekonferenz werde ich selbstverständlich in einem ausführlichen Post berichten, wie es gelaufen ist und wie sich entschieden wurde.

Bis dahin wünsche ich euch noch viele, sonnige Tage.

Nadine

2015/03/15

Das Persönliche Budget (4)

Es ist geschafft!

Mit der Hilfe von meiner Psychologin - die glücklicherweise sehr verständnisvoll reagierte - konnte ich den Bogen nun endlich ausfüllen. Sie ist am Freitag noch einmal in Ruhe (!) alle Fragen mit mir durchgegangen und hat mir dazu Stichpunkte aufgeschrieben. Diese habe ich dann das Wochenende über noch einmal zusammengefasst.

Gleich am Montag haben Marc und ich uns dann erneut auf den Weg zu meiner Psychiaterin gemacht. So schnell lasse ich mich nämlich nicht unterkriegen! Im Auto habe ich mich mit Marc schon auf sämtliche Diskussionen versucht vorzubereiten und den einen oder anderen Satz eingeübt. Doch das Gespräch lief ganz anders ab als erwartet. Keine Diskussion am Empfang. Dieses Mal durfte ich sogar kurz ins Sprechzimmer. Dennoch hat sie das, was ich ausgefüllt habe, nur grob überflogen. Ihre einzige Antwort darauf: „Gut, dass Sie alles so ausführlich ausgefüllt haben. Sie waren ja richtig fleißig.“ Ich weiß bis heute noch nicht, ob ich über diese beiden Sätze lachen oder weinen soll. Daraufhin fing sie an hier und da noch schnell ein paar Fragen von ihrem Teil auszufüllen. Bei vielen Fragen habe ich ihr noch helfen müssen, da sie kaum etwas über das Asperger-Syndrom wusste (wie leider die meisten Ärzte). Den Rest wollte sie mir dann die Tage per Post zukommen lassen.

Der Brief mit meinen Unterlagen landete tatsächlich nur drei Tage später in unserem Briefkasten. Doch das (nicht) Ausfüllen der Fachärztlichen Stellungnahme hat sich meine Psychiaterin – wie längst vermutet - gut bezahlen lassen. In dem Brief befand sich nämlich versehentlich in dreifacher Ausführung die Liquidation, die eigentlich für das Gesundheitsamt bestimmt gewesen ist.

Muss ich nichts mehr zu sagen, oder?

Letztendlich hätte ich mir einfach mehr Einfühlungsvermögen und Verständnis von meiner Psychiaterin gewünscht, einfach mehr Menschlichkeit. Ich kann zwar verstehen, dass sie nicht gleich sofort den Bogen ausfüllen konnte. Dafür kennt sie mich zu wenig. Doch warum hat sie nicht mit meiner Hilfe den Bogen ausgefüllt oder sich mit meiner Psychologin telefonisch auseinandergesetzt? Ihr ging es offenbar nur um das Geld. In Zukunft werde ich mich auf jeden Fall nach einer neuen Psychiaterin oder auch nach einem neuen Psychiater umhören. Ganz egal. Hauptsache ich muss dort nicht mehr hin.

Nun freue ich mich auf zwei Wochen Ostsee. Marc und ich werden nämlich die Osterfeiertage bei seinen Eltern verbringen. Mal wieder etwas anderes sehen und hören. Und vor allem ganz viel frische Meeresluft schnappen!

Nadine


P.S.: Im Moment läuft das Lied „Who needs you“ von The Orwells bei mir rauf und runter. Treffender könnte der Titel nicht sein.

2015/03/07

Das Persönliche Budget (3)

Was für eine Woche!

Am Montag habe ich – nach über vier Wochen Wartezeit – ein Gespräch mit meiner Psychiaterin gehabt, indem es darum ging, die fachärztliche Stellungnahme für das Persönliche Budget auszufüllen (so einen Bogen, den ich zugeschickt bekommen habe).

Da die Aufregung vor diesem Termin meinerseits sehr groß gewesen ist, habe ich mir Marc als seelische Unterstützung mitgenommen, doch dieser durfte erst gar nicht mit ins Sprechzimmer reinkommen. Die erste große Enttäuschung. Im Sprechzimmer angekommen, hat meine Psychiaterin sich sehr darüber gewundert, warum ich überhaupt jemanden mitnehmen wollen würde. Immerhin wäre ich doch schon 23 Jahre alt. Das sollte doch auch so zu schaffen sein. Sie kenne das nur von unter 18-jährigen oder älteren Menschen, dass diese in Begleitung kommen würden. Die zweite große Enttäuschung. Diese Aussage hat mich sehr getroffen. Außerdem hat es mir gezeigt, dass sie offenbar nichts von mir und meiner Problematik verstanden hat. Ab diesem Zeitpunkt ging bei mir so gut wie gar nichts mehr – kopftechnisch. Das Gefühl der Enttäuschung hatte mich wortwörtlich überrollt.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal loswerden: Nur weil man mir meine Behinderung nicht ansieht, heißt dass nicht, dass ich keine Probleme und Schwierigkeiten habe!

Auch das weitere Gespräch lief sehr bescheiden. Das Persönliche Budget kannte meine Psychiaterin leider nicht. Ich habe zwar versucht ihr zu erklären, was das Persönliche Budget ist und was ich damit machen möchte, doch ich glaube nicht, dass sie nun weiß, wobei es sich um das Persönliche Budget handelt. Dafür standen einfach noch zu viele Fragezeichen auf ihrem Gesicht. Den Bogen hat sie sich zwar durchgesehen und auch ein paar Worte dazu gesagt, doch es hat sich relativ schnell rausgestellt, dass sie die meisten Fragen nicht beantworten kann. Diese sollte ich dann zuhause beantworten und am nächsten Tag bei ihr reinreichen. Öh ja. Das sind dann mal so eben fast 80 % des Bogens gewesen. Innerlich war ich damit überhaupt nicht einverstanden, nach außen hin habe ich nur „ja“ gesagt und alles einfach so hingenommen. So langsam machten sich neben Enttäuschung auch Wut und Verzweiflung breit. Das hatte ich mir irgendwie alles anders vorgestellt. Ich habe mich völlig übergangen gefühlt. Im Wartezimmer, als ich mir meine Jacke angezogen habe, musste ich mich ganz schön zusammenreißen, nicht gleich loszuheulen. Nun kritzeln meine Psychiaterin und ich im Bogen gemeinsam rum. Das passt in meinem Kopf überhaupt nicht zusammen. Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob ich das überhaupt ausfüllen darf bzw. ob das überhaupt meine Aufgabe ist?!

Zuhause angekommen, habe ich mich dennoch mit Marc an den Bogen gesetzt und versucht, die Fragen zu beantworten. Doch die Zeit war knapp, mein Kopf voll bis obenhin und ich emotional total aufgewühlt. Konzentration also gleich null. Außerdem sind die Fragen viel zu offen gestellt gewesen. Ich wusste einfach nicht, was für eine Antwort erwartet wird, wie weit ich ausholen soll, was bedeutend ist und was eher unbedeutend? Zudem wusste ich nicht, wie ich meine Antworten formulieren soll. Ich konnte ja wohl schlecht in einem Bogen der mich und meine derzeitige Situation beurteilen soll in der Ich-Form schreiben, oder? Doch aus der Sicht von jemand anderem zu schreiben bzw. „neutral“ zu schreiben, fiel mir super schwer. Kurz gesagt: Ich war mit dem Ausfüllen des Bogens komplett überfordert. So kam es, dass ich mich letztendlich bei meiner Psychologin gemeldet und um einen Notfalltermin gebeten habe. Zum Glück habe ich am Freitag spontan einen Termin bekommen. Dafür bin ich immernoch sehr dankbar! Der Tag war dennoch gelaufen. Am Abend gab es noch einige Tränen. Ich habe mich von meiner Psychiaterin einfach überhaupt nicht ernst genommen gefühlt.

Am nächsten Tag hat es mich echt viel Überwindung gekostet dort ein zweites Mal hinzugehen und die Sache mit dem nicht ausgefüllten Bogen zu klären. Ich habe schon die ganze Zeit ein ungutes Gefühl gehabt. Und was soll ich sagen? Mein ungutes Gefühl hat sich bestätigt. Es lief genauso bescheiden wie am Tag zuvor. Als ich im Wartzimmer saß, hat die Sprechstundenhilfe mich gebeten, ihr den Bogen zu geben, damit sie schon einmal einen Blick darauf werfen kann. So habe ich natürlich nicht die geringste Chance gehabt überhaupt ein Wort dazu zu sagen. Ich habe mich schon mit ihr diskutierend im Wartezimmer gesehen – vor all den anderen Patienten. Doch sie hat mich glücklicherweise kurz danach nach vorne zum Empfang gerufen und mir offenbart, dass das ein bisschen wenig sei. Nachdem ich ihr daraufhin versucht habe zu erklären, dass ich den Bogen nicht alleine ausfüllen kann, aber ein Gespräch mit meiner Psychologin am Freitag vereinbart habe, kam auch endlich meine Psychiaterin dazu. Ihr habe ich noch einmal dasselbe versucht zu erklären. Nebenbei durfte ich mir von der Sprechstundenhilfe anhören, dass ich ja schon einmal dies und das hätte ausfüllen können. Nur blöd, dass sie den Teil meinte, den meine Psychiaterin ausfüllen wollte … Ohne Worte. Auch meine Psychiaterin konnte nicht verstehen, warum ich den Bogen nicht ausgefüllt habe. Sie versuchte mir dann zwischen Tür und Angel die Fragen, bei denen ich besonders große Schwierigkeiten gehabt habe, zu erklären. Erfolglos. Letztendlich habe ich dann den Antrag wieder mitnehmen müssen, da meine Psychiaterin das, was ich ausfülle, erst sehen muss, bevor sie etwas ausfüllen kann. Also darf ich dort nächste Woche wieder hinfahren. Die Freude ist groß …

Fortsetzung folgt!

Nadine

2015/02/08

Das Persönliche Budget (2)

Ich habe diese Woche zwei bis obenhin gefüllte Briefe von gleich zwei verschiedenen Ämtern bekommen, da diese sich die Bearbeitung des Antrags für das Persönliche Budget untereinander aufgeteilt haben.

Das eine Amt kümmert sich um meine bisherige Krankengeschichte und die Maßnahmen, die ich mit dem Persönlichen Budget finanzieren möchte, das andere Amt um meine derzeitige finanzielle Situation.

Puh!

Der Umfang der Briefe hat mich zuerst ganz schön überfordert. Ich wusste überhaupt nicht, was ich tun und wo ich anfangen soll - obwohl ich mir beide Briefe aufmerksam durchgelesen habe. Das Gedankenkarussell wurde sofort in Gang gesetzt und drehte sich unaufhörlich im Kreis. Wie soll ich das bloß alles schaffen? Deshalb habe ich lediglich nach dem Öffnen und Lesen der Briefe einen „Fahrplan“ entworfen, d.h. alle Aufgaben, die erledigt werden müssen, aufgeschrieben, und die Briefe erst einmal beiseite gelegt. Alles Andere hätte in dem Moment letztendlich nur zu einem Meltdown geführt.

Ein paar Tage später versuche ich mich nun tapfer mit der Hilfe von Marc und meinen Eltern durch den Behördendschungel zu kämpfen und alle erforderlichen Unterlagen zu zusammen zu sammeln (Lohnabrechnungen, Kontoauszüge, Schwerbehindertenausweis etc.) und die mitgeschickten Anträge auszufüllen.

Nadine

2015/02/04

Das Persönliche Budget

In den letzten Tagen gab es viel zu erledigen. Ich bin nämlich gerade dabei das Persönliche Budget zu beantragen. Denn: die letzten Tage meiner Verhaltenstherapie sind leider angebrochen.

Das Persönliche Budget ist ein Geldbetrag, den Menschen mit Behinderung beantragen können, wenn sie Hilfe und Unterstützung benötigen. Mit diesem Geldbetrag können dann Teilhabe- und Rehabilitationsleistungen selbst bestimmt und bezahlt werden.

Erfahren habe ich vom Persönlichen Budget letzten September in einem Gespräch mit einem Autismus-Berater, welcher bei der Bernhard-Hermann-Bosch-Stiftung für Erwachsene mit Asperger-Syndrom tätig ist. Ich muss gestehen, dass ich es seitdem aufgeschoben habe, das Persönliche Budget zu beantragen – aus Angst. Doch mittlerweile habe ich genug Mut und Kraft, um die ganze Sache in Angriff zu nehmen.

Ich habe bereits Informationen über das Persönliche Budget und mögliche Therapien ausgedruckt (Tiefenpsychologie, Kunsttherapie und Neurofeedback), erneut Kontakt mit dem Autismus-Berater der Stiftung aufgenommen, den Antrag für das Persönliche Budget gestellt, einen Termin für ein Gespräch bei meiner Psychiaterin gemacht und ein Konto für das Persönliche Budget eröffnet.

Nun warte ich gespannt auf eine Antwort von der Stadt hinsichtlich des Antrags und versuche die Wartezeit so gut es geht zu nutzen, um mich ein bisschen zu erholen.

Kennt ihr zufällig das Lied „Endboss“ von Marteria? Dort singt er: Ich spring von Level zu Level zu Level, spring von Level zu Level zu Level, spring von Level zu Level zu Level zu Level, bis der Endboss kommt. So fühle ich mich im Moment auch. Der Endboss ist in meinem Fall die „Hilfekonferenz“, welche zuletzt erfolgt. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Ich werde euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten.

Nadine