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2019/10/18

Wenn aus Liebe Leben wird ...💓

2018/06/07

Eigenlob stinkt ... NICHT!

Seit Ende April ist Marc wieder für ein paar Wochen zuhause, um hier in Hannover den praktischen Teil seiner Ausbildung zu absolvieren. Den ersten größeren Theorieblock in Berlin haben wir somit bereits hinter uns gebracht! Die letzten Wochen und Monate sind zum Glück super schnell vergangen. Viel, viel schneller als gedacht! Und auch, wenn die letzten Wochen und Monate nicht immer einfach gewesen sind, vor allem am Anfang nicht, bin ich in dieser Zeit mächtig über mich hinausgewachsen und habe Einiges geschafft, was ich vorher noch nicht geschafft habe oder mir nur selten zugetraut habe.

Ich habe zum Beispiel …

  • all meine Arzttermine ganz alleine gemeistert. Besonders stolz bin ich auf den Termin beim Lungenarzt und auf die vielen Termine beim Neurologen.
  • mehrere Rezepte für Medikamente in der Apotheke eingereicht.
  • mich jeden Montagmorgen auf das Neue in den total überfüllten Bus zu der Ergotherapie hineingewagt.
  • zum ersten Mal ganz alleine bei der Ergotherapie zurückgerufen, nachdem diese bei mir angerufen hatten, um einen Termin zu verschieben.
  • mehrere Verordnungen für die Ergotherapie bei meinen Psychiater abgeholt.
  • meine beste Freundin spontan im Krankenhaus besucht, obwohl ich weder den Weg dorthin kannte, noch das Krankenhaus.
  • angefangen, der Tochter von unseren ehemaligen Nachbarn einmal in der Woche Nachhilfe in Französisch zu geben.
  • mehrere Päckchen und Pakete angenommen.
  • mit der tatkräftigen Unterstützung von Marc und meiner Mama den Umzug in unsere erste gemeinsame Wohnung innerhalb nur eines Tages gemeistert.
  • mich und Marc mit der Hilfe meines Papas umgemeldet.
  • die Elektriker von der Wohnungsgesellschaft in unsere Wohnung hereingelassen, damit diese unsere Steckdosen kontrollieren konnten.
  • mehrmals den Wochenendeinkauf für Marc und mich mit der Hilfe meiner Mama erledigt. Mama hat dann für Papa und sich eingekauft und ich habe für Marc und mich eingekauft.
  • zum ersten Mal ganz alleine Hackfleisch an der Fleischtheke gekauft und dieses auch ganz alleine angebraten. Bisher habe ich mich nämlich immer sehr schwer mit dem Geruch und dem Aussehen von rohem Fleisch getan.
  • den Techniker von der Telekom in unsere Wohnung hereingelassen, damit dieser unseren Zugang zum Internet freischalten konnte.
  • ganz alleine den Frisör gewechselt, nachdem mein gewohnter Frisörsalon leider völlig unverhofft schließen musste.
  • meine neue Adresse auf meiner Versichertenkarten mit der Hilfe meines Papas bei der Krankenkasse ändern lassen.
  • ganz alleine bei meiner Neurologin angerufen, um mich noch einmal nach meinen Blutergebnissen zu erkundigen, auf die ich schon über drei Wochen gewartet habe.
  • ganz alleine im Reisezentrum der Bahn nach einer alternativen Zugverbindung gefragt, als mein Zug Richtung Oberammergau von einem auf den anderen Moment komplett ausgefallen ist.
  • ganz alleine das Erstgespräch bei der Logopädie gemeistert.

Und noch vieles, vieles mehr!

Ich bin wirklich wahnsinnig stolz auf mich, was ich in den letzten Wochen und Monaten alles geschafft habe! Das sind für mich riesengroße Fortschritte, die ich gemacht habe! Und das in einem so kurzen Zeitraum! :) Ab und zu muss man sich eben auch mal selbst auf die Schulter klopfen und sich für all die Dinge, die man geschafft hat, loben. Und genau das wollte ich mit diesem Beitrag tun. Denn Eigenlob stinkt … NICHT! Streicht diesen veralteten Satz bitte ganz, ganz schnell aus euren Köpfen. :)

Im Juli geht es dann für Marc und mich in die zweite Runde. In diesem Zeitraum wird Marc sich dann erneut für einige Wochen und Monate auf den Weg nach Berlin machen müssen, um dort den nächsten größeren Theorieblock seiner Ausbildung zu absolvieren, sodass wir wieder erst einmal zwangsläufig eine Wochenendbeziehung führen müssen. Doch dieses Mal wissen wir ja halbwegs, was auf uns zukommen wird. Spannend bleibt diese Zeit trotzdem.

Nadine

2017/11/20

Aller Anfang ist schwer

Mittlerweile ist Marc seit über zehn Wochen in Berlin. Wahnsinn, oder? Doch die ersten Tage und Wochen ohne Marc waren ehrlich gesagt alles andere als leicht für mich. Mal abgesehen davon, dass ich mich erst einmal wieder bei meinen Eltern zuhause einleben musste, habe ich mich zusätzlich der einen oder anderen ungeahnten Herausforderung in meinem neuen Alltag stellen und des Öfteren so manch kleinere oder auch größere Katastrophe erleben müssen.

Gleich an dem Tag, an dem sich Marc auf den Weg nach Berlin gemacht hat, habe ich zum Beispiel schon die ersten zwei Termine gehabt, die ich ganz alleine meistern musste. Zuerst habe ich einen Termin bei meinem Psychiater gehabt, um mit ihm endlich über meine Schlafprobleme zu sprechen und dafür hoffentlich eine Lösung finden zu können. Und gleich im Anschluss habe ich noch meinen wöchentlichen Termin bei der Ergotherapie gehabt. Doch schon auf dem Hinweg bin ich - warum auch immer – in den falschen Bus gestiegen und habe dies leider erst bemerkt, als der Bus in eine völlig andere Richtung gefahren ist, als ich eigentlich gemusst hätte. Ich hätte heulen können! Vor meinem inneren Auge habe ich mich schon den Termin bei meinem Psychiater absagen sehen. Und das obwohl ich doch so lange auf diesen wichtigen Termin gewartet habe! Denn mit dem nächsten Bus, der gefahren wäre, hätte ich es definitiv nicht rechtzeitig zu dem Termin geschafft. Zudem wusste ich kurzzeitig einfach nicht, was ich tun sollte. All meinen Mut zusammennehmen und den Busfahrer fragen, ob der Bus auch in dem Ort hält, in dem ich eigentlich hätte aussteigen müssen, dadurch unter Umständen aber auch riskieren, dass ich noch viel länger in die falsche Richtung fahre, oder an der nächst möglichen Haltestelle aussteigen und doch noch versuchen, meinen eigentlichen Bus zu erwischen, obwohl die Chancen - sagen wir mal - eher sehr bescheiden aussahen? Letztendlich habe ich mich dann doch für Letzteres entschieden und bin, nachdem ich einen kurzen, aber ziemlich heftigen Anflug von Panik halbwegs überwunden habe, an der nächst möglichen Haltestelle ausgestiegen und in einem Affentempo mit Tränen in den Augen zu der Haltestelle zurück gerannt, an der mein eigentlicher Bus halten würde. Und ich habe es tatsächlich noch gerade so geschafft diesen zu erwischen und so rechtzeitig den Termin bei meinen Psychiater wahrzunehmen! Auch wenn meine Energiebatterie zu diesem Zeitpunkt schon fast aufgrund dieses kleinen unfreiwilligen Abenteuers so gut wie aufgebraucht gewesen ist.

Und auch Marc und mein erstes gemeinsames Wochenende lief irgendwie völlig anders, als gedacht. Kennt jemand von euch zufällig den Film 500 Days of Summer? In dem Film gibt es eine Szene, in der sich der Hauptdarsteller namens Tom vorstellt, wie ein Treffen auf einer Party mit seiner über alles geliebten Summer ablaufen könnte, und gleichzeitig wird eingeblendet, wie das Treffen in Wirklichkeit abläuft. Genau so ist es bei Marc und mir an diesem besagten ersten gemeinsamen Wochenende wohl auch leider gelaufen! Ich habe nämlich die höchst romantische Vorstellung gehabt, dass Marc und ich uns bei unserem ersten Widersehen nur so in die Arme fallen werden und wir von da an jede Minute dieses Wochenendes gemeinsam miteinander verbringen würden, weil wir uns so sehr vermisst haben. Zudem wollte ich unbedingt an diesem Wochenende mit Marc seit langem mal wieder gemeinsam in das Fitnessstudio und endlich unser Wohnzimmer wieder aufräumen. Seitdem wir dort nämlich die Tage zuvor unsere Ordner mit all unseren wichtigen Unterlagen neu sortiert haben, sah es dort so aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte. Doch letztendlich war Marc nach den ersten Tagen in Berlin einfach nur total müde und kaputt und zu kaum etwas zu bewegen. Er war noch nicht einmal dazu zu bewegen, die Abende noch eine Folge der Serie „Atypical“ auf Netflix zu schauen, obwohl wir beide die Serie sehr gemocht haben. Und auch ich war nach diesen doch sehr aufregenden ersten Tagen ohne Marc ziemlich schlecht gelaunt und bekam noch viel schlechtere Laune, als mir bewusst wurde, dass mein Plan für dieses Wochenende irgendwie nicht so ganz aufgehen wollte, wie ich mir das eigentlich vorgestellt gehabt habe. So schlechte Laune, dass ich letztendlich geradewegs in einen ziemlich heftigen Meltdown (Wutausbruch) geschliddert bin und Marc und ich uns dann auch noch währenddessen wegen irgendeiner Kleinigkeit in einer nie enden wollenden Diskussion verzettelt haben. Und damit war das Wochenende dann endgültig gelaufen! So haben Marc und ich letztendlich an diesem Wochenende weder etwas Sinnvolles gemacht, noch groß gemeinsam Zeit miteinander verbracht. Super!*

*Keine Sorge! Marc und ich haben uns noch an dem selben Nachmittag, als wir uns gestritten haben, wieder miteinander vertragen. Wir können nämlich zum Glück nie wirklich lange aufeinander böse sein! :)

Hinzu kam, dass ich die ersten Tage ohne Marc nur sehr schlecht schlafen konnte. Trotz Neuroleptikum, welches ich vorrübergehend von meinem Psychiater verschrieben bekommen habe. Ich war die ersten Nächte über ständig wach und habe vor Angst einfach kein Auge zubekommen. Deshalb liefen auch in den ersten Nächten meine Hörspiele in Dauerschleife. Und meine drei Nachtlichter mussten sowieso die ganze Nacht über an sein. Erholsamer Schlaf ist definitiv etwas anderes! So bin ich dann meistens schon morgens völlig übermüdet und überreizt in den Tag gestartet, was zugegebenermaßen ganz schön an meinen Kräften gezerrt hat. Und auch meine Laune war dadurch nicht gerade die Beste. Siehe oben. Öhöm.

Doch mittlerweile habe ich angefangen, mich halbwegs mit der neuen Situation zu arrangieren. Ich habe mich zum Glück wieder recht schnell bei meinen Eltern zuhause eingelebt und mich an deren Abläufe und Routinen gewöhnt. Neben meinem wöchentlichen Termin bei der Ergotherapie jeden Montag und momentan auch wieder alle zwei Wochen freitags, gehe ich mindestens einmal in der Woche in das Fitnessstudio, um mich dort etwas sportlich zu betätigen. Je nachdem, welche Termine sonst noch so in der Woche anstehen und wie ich mich so fühle. Ich habe nämlich nach wie vor noch den einen oder anderen Arzttermin zu meistern, da es mir gesundheitlich leider noch immer nicht so gut geht und ich gefühlt jede Woche etwas Neues anschleppe. Erst neulich habe ich mir zum Beispiel, als ich eine Kiste unter mein Bett schieben wollte, das linke Knie verdreht und musste deswegen spontan zum Kassenärztlichen Notdienst in das Krankenhaus, weil ich das Knie kurzzeitig nicht mehr belasten konnte. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte. Zudem habe ich nun auch bei meinen Eltern zuhause feste Aufgaben im Haushalt übernommen. Ich mache zum Beispiel jeden Dienstag das Badezimmer sauber, wasche nebenbei all die Wäsche von meinen Eltern und mir und hänge diese zum Trocknen auf dem Wäscheständer auf und auch wieder ab oder koche auch jeden Donnerstagabend das Abendessen für meine Eltern und mich. Und die restliche Zeit schreibe ich dann immer fleißig an neuen Beiträgen für meinen Blog und teile in regelmäßigen Abständen immer mal wieder ein paar Alltagsmomente von Marc und mir auf Instagram. So vergeht die Zeit zum Glück meistens ziemlich schnell, bis Marc am Freitagnachmittag aus Berlin wieder zurück ist.

Mittlerweile genießen Marc und ich übrigens die gemeinsamen Wochenenden sehr! Denn nach diesem katastrophalen ersten gemeinsamen Wochenende haben wir beide uns nämlich ganz fest vorgenommen, die Zeit an den Wochenenden besser zu nutzen und trotz aller Aufgaben und Pflichten, die im Alltag so anfallen, wie zum Beispiel der Haushalt oder auch Papierkram, so oft wie möglich etwas Schönes gemeinsam zu unternehmen und Zeit miteinander zu verbringen. Wir waren zum Beispiel an den letzten Wochenenden schon mehrmals auf dem Kürbishof bei uns in der Nähe zu Besuch, im Wald spazieren oder haben abends gemeinsam etwas Leckeres gekocht oder gespielt. Außerdem waren wir mehrmals im Kino zu Besuch und einmal anlässlich zu Marcs Geburtstag sogar im Zirkus.

Und auch das alleine Schlafen klappt zum Glück viel besser als zuerst befürchtet. Zwar benötige ich noch immer ein Nachtlicht, ein Kuschelkissen oder auch ein Hörspiel zum Einschlafen, genauso wie das Neuroleptikum, aber immerhin schlafe ich die Nächte mittlerweile weitestgehend durch und kann so wieder deutlich erholter in den Tag starten. Vielleicht schreibe ich demnächst noch einmal über meine Schlafprobleme und was mir geholfen hat, die Nächte wieder weitestgehend durchzuschlafen einen etwas ausführlicheren Beitrag hier auf dem Blog. Das würde nämlich jetzt an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Aber ich kann mir vorstellen, dass dieses Thema für den einen oder anderen von euch bestimmt ganz interessant sein könnte. Auch, wenn es ein sehr privates Thema ist.

Das Einzige, was mir noch immer ziemlich zu schaffen macht, ist das Fahren mit dem Bus und der Bahn. Vor allem, wenn es morgens so voll ist. Am liebsten würde ich dann mitten auf dem Weg einfach so aus dem Bus oder der Bahn aussteigen, da ich mich zwischen all den Menschen um mich herum so unwohl und eingeengt fühle und ich ernsthaft immer wieder Panik bekomme, mich nicht rechtzeitig zur Tür vorkämpfen zu können, um auszusteigen. Aber daran werde ich mich hoffentlich mit der Zeit auch noch gewöhnen. Im falschen Bus saß ich dafür nur ein einziges weiteres Mal.

Nadine

2017/10/17

Große Veränderungen oder auch über die Angst, Erwachsen zu werden

Vor Kurzem habe ich auf Facebook und auch hier auf dem Blog erwähnt, dass bald große Veränderungen anstehen werden, was Marc und meinen gemeinsamen Alltag betrifft. In dem heutigen Post möchte ich euch endlich ein bisschen mehr darüber erzählen. Auch, wenn ich ehrlich gesagt noch gar nicht so genau weiß, wo ich anfangen soll zu erzählen, da es einfach so, so unglaublich viel zu erzählen gibt. Am besten fange ich einfach ganz von vorne an.

Letztes Jahr um diese Zeit hat Marc sich nach langem überlegen dazu entschlossen, sich noch einmal beruflich umzuorientieren und eine neue Ausbildung zu beginnen. Nach über einem Jahr hoffen und bangen, hat er vor ein paar Wochen endlich die offizielle Zusage dafür erhalten, nachdem er sich die letzten Wochen und Monate tapfer durch ein schriftliches Auswahlverfahren, ein mündliches Auswahlverfahren und einigen ärztlichen Untersuchungen gekämpft hat. Da die Ausbildung jedoch mit einem Theorieblock in Berlin beginnen wird, wird er die kommenden Monate erst einmal zwangsläufig in Berlin verbringen müssen. Deshalb wird sowohl Marc, als auch mich in der nächsten Zeit ein komplett neuer Alltag erwarten und wir beide müssen in dieser Zeit erst einmal wieder eine Wochenendbeziehung führen. Bisher haben wir es immer so gehandhabt, dass ich unter der Woche bei Marc in seiner Wohnung zu Besuch gewesen bin und wir beide dann die Wochenenden gemeinsam bei meinen Eltern verbracht haben. Doch nun wird es genau anders herum sein. In den kommenden Monaten werde ich nun erst einmal wieder unter der Woche bei meinen Eltern wohnen und die Wochenenden dann hoffentlich – wenn das mit dem Pendeln alles so klappt, wie wir uns das vorstellen - gemeinsam mit Marc in seiner Wohnung verbringen. Im Moment gibt es für mich nämlich leider keine andere Möglichkeit, als erst einmal unter der Woche wieder bei meinen Eltern zu wohnen. Ich bin zwar mittlerweile eigenständig genug, um mich weitestgehend alleine zu versorgen, was das Einkaufen, das Kochen oder auch den Haushalt betrifft. Das sah vor fünf Jahren noch ganz anders aus. Doch ich habe im Moment leider keine Möglichkeit, aus dem Ort, in dem Marc derzeit wohnt, mit dem Bus oder auch der Bahn wegzukommen und all meine Termine , die ich unter der Woche so habe, wie zum Beispiel meinen wöchentlichen Termin bei der Ergotherapie, wahrzunehmen, da dieser so schlecht an Hannover angebunden ist. Selbst so alltägliche Erledigungen, wie zum Beispiel ein paar Kleinigkeiten einkaufen, zur Bank gehen und Geld abheben oder mal ein Brot vom Bäcker holen, sind dann nicht möglich. Und einen Führerschein besitze ich leider auch immer noch nicht, obwohl ich nach wie vor fleißig dafür spare. Ich bin also noch immer auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Und diese fahren leider deutlich öfter und zu besseren Zeiten aus dem Ort, in dem meine Eltern derzeit wohnen. Ein weiterer Grund, warum es für mich momentan nicht möglich ist, vorübergehend alleine zu wohnen, ist, dass ich nachts noch immer vor Angst oft nicht ein-und durschlafen kann, vor allem, wenn ich so wie jetzt bald, alleine schlafen muss. Deshalb werde ich in den kommenden Monaten erst einmal wieder in mein altes Jugendzimmer bei meinen Eltern zuhause ziehen müssen.

Ich muss zugeben: Vor allem die Sache mit dem vorrübergehenden Wiedereinzug bei meinen Eltern hat sich anfangs angefühlt, wie ein riesengroßer Rückschritt. Mal abgesehen davon, dass es mir sehr schwer fällt, wieder von Marc getrennt zu sein, trotz mehrjähriger Fernbeziehung, und erst einmal nur eine Wochenendbeziehung zu führen, wird mir dadurch irgendwie auch wieder ein ganzes Stück meiner Selbstständigkeit genommen, für die ich die letzten fünf Jahre so sehr gekämpft habe. Deshalb bin ich die letzten Wochen und Monate leider auch in ein ziemlich tiefes Loch gefallen. In dieser Zeit war ich kaum zu etwas zu bewegen, habe viel geweint und mir ging es einfach nur schlecht. Ganz, ganz schlimm! Zudem habe ich mich oft mit Marc wegen total unsinnigen Dingen in Diskussionen verstrickt und konnte überhaupt keine Nähe zu ihm zulassen. Und auch von meiner Familie und meinen Freunden habe ich mich eine ganze Zeit lang zurückgezogen. Am liebsten hätte ich mich in dieser Zeit einfach nur in meinem Bett unter meiner Bettdecke verkrochen und wäre nie wieder hervorgekommen. Ich bin nämlich wieder mal nicht das lästige Gefühl losgeworden, mich ständig nur im Kreis zu drehen und im Leben einfach nicht vorwärts zu kommen. Kurzzeitig erschien für mich alles einfach nur noch sinnlos. Versteht mich bitte nicht falsch. Ich liebe meine Eltern über alles und bin sehr gerne bei ihnen zuhause. Doch ich möchte mit meinen mittlerweile über 26 Jahren einfach von niemanden mehr abhängig sein und endlich ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben führen! Ganz egal, ob Autist oder Nicht-Autist. Auch ich habe mittlerweile den Wunsch nach Eigenständigkeit, Selbstbestimmtheit und Unabhängigkeit. Einfach nach Freiheit. So wie die meisten Anderen in meinem Alter auch. Ganz am Anfang waren Marc und ich sogar kurzzeitig am überlegen, ob wir in dieser Zeit aus finanziellen Gründen Marcs Wohnung nicht ganz aufgeben und erst einmal beide wieder zu meinen Eltern zurück ziehen werden. Diese Möglichkeit haben uns meine Eltern nämlich von sich aus angeboten. Doch von dem Gedanken sind wir zum Glück ganz schnell wieder abgekommen. Denn sowohl Marc, als auch mir, war es sehr wichtig, einen gemeinsamen Rückzugsort zu haben. Und den bietet so eine eigene Wohnung deutlich besser, als mein gerade mal etwas über 15 Quadratmeter großes Zimmer bei meinen Eltern, welches wir uns dann gemeinsam hätten teilen müssen! Auf der anderen Seite habe ich manchmal aber auch riesengroße Angst, vor dem Erwachsen werden. Obwohl ich es mir so sehr wünsche, endlich von zuhause auszuziehen, einen Führerschein zu machen, zu heiraten, eine kleine Familie zu gründen oder auch ein Eigenheim zu bauen oder zu kaufen, machen mir all die Veränderungen riesengroße Angst.

Doch es gibt neben all den eher weniger erfreulichen Neuigkeiten auch eine gute Neuigkeit! Marc und ich werden Anfang Dezember endlich in eine neue Wohnung ziehen. In unsere erste richtige gemeinsame Wohnung! Wie ihr ja vielleicht schon mitbekommen habt, haben Marc und ich uns in der letzten Zeit immer mal wieder nach einer neuen Wohnung umgesehen und nun sind wir endlich fündig geworden! Die Wohnung haben wir kurz vor Marcs Ausbildungsbeginn zufällig im Internet entdeckt und nur ein paar Tage später, nachdem wir uns die Wohnung angesehen haben und auf Anhieb von der Wohnung begeistert gewesen sind, bereits die Zusage dafür erhalten. Und so werden wir nun in ein paar Wochen von Marcs Zwei-Zimmer-Dachgeschosswohnung gemeinsam in eine Drei-Zimmer-Dachgeschosswohnung ziehen. Nur wenige Orte weiter von dem Ort, in dem Marc derzeit noch wohnt. Doch noch viel besser ist: Die Wohnung ist nicht nur erst letztes Jahr im Herbst frisch renoviert worden, sondern hat auch eine Badewanne und einen kleinen Balkon. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich auf die neue Wohnung freue! Das fühlt sich fast so an wie ein Sechser im Lotto! Der Ausblick darauf, dass Marc und ich nun endlich bald gemeinsam in eine neue Wohnung ziehen werden, hat letztendlich auch erheblich dazu beigetragen, mir aus dem Loch, in das ich eine ganze Zeit lang gefallen bin, wieder herauszuhelfen und mich wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft blicken lassen. In dem kleinen Örtchen, in dem wir schon bald wohnen werden, gibt es sogar auch einen kleinen Supermarkt, einen Bäcker, eine Apotheke oder auch eine Bank. Das bedeutet, ich kann demnächst auch mal so kleine alltägliche Erledigungen, wie weiter oben schon beschrieben, alleine erledigen. Auch ohne Führerschein und Auto. Und auch die Bus- und Bahnanbindungen Richtung Hannover sind dort um einiges besser, sodass ich unter der Woche, wenn Marc arbeitet, auch meine Termine von nun an wieder alleine wahrnehmen kann. Das war ja immer eines unserer Hauptkriterien für unsere zukünftige Wohnung.

Mittlerweile möchte ich die ganze Sache mit der Ausbildung, der kurrzeitigen Trennung von Marc und dem vorrübergehenden Wiedereinzug bei meinen Eltern einfach nur noch angehen und durchziehen. Genauso wie den Umzug in die neue Wohnung. Auch wenn es bestimmt nicht immer einfach werden wird. Doch manchmal muss man eben auch einen Schritt zurück gehen, um wieder zwei Schritte vorwärts gehen zu können.

Nadine

2017/03/07

Ist es dir eigentlich unangenehm, manchmal so wütend zu werden? Interview mit mir (Nadine) über das Thema Beziehung

Erinnert ihr euch noch? Vor etwas über einem Jahr habe ich hier mit Marc ein kleines Interview geführt und ihm ein paar Fragen zu dem Thema Beziehung gestellt, welche er daraufhin schriftlich für mich beantwortet hat. Mit Hilfe des Interviews wollte ich die Beziehung zwischen einem Menschen mit Asperger-Syndrom und einem nicht autistischen Menschen, vor allem aus der Sicht des nicht autistischen Menschens, etwas näher beleuchten, gleichzeitig aber auch irgendwie beweisen, dass es als Asperger-Autist - entgegen vieler Annahmen - durchaus möglich ist, eine glückliche und langjährige Beziehung zu führen. Nun haben wir das Ganze noch einmal umgedreht und Marc hat mir ein paar Fragen zu diesem Thema gestellt. Die meisten Fragen sind genau die gleichen Fragen, die ich auch schon Marc gestellt habe. Doch es sind auch zwei, drei ganz neue Fragen mit dabei. Ihr dürft also gespannt sein!

Viel Spaß beim Lesen des Interviews!

Herz Muscheln

Was macht unsere Beziehung aus deiner Sicht so besonders?

Ich: Ich denke, das Besondere an unserer Beziehung ist, dass sie, neben der Tatsache, dass wir so lange Zeit eine Fernbeziehung geführt haben, einfach so besonders normal ist. Wir bestreiten gemeinsam unseren Alltag, erleben Höhen und Tiefen, teilen Glücksmomente, streiten und vertragen uns wieder, unternehmen gemeinsam viele schöne Dinge, sammeln Erinnerungen, schmieden Zukunftspläne. Und das völlig unabhängig von meiner Behinderung. Genau wie andere Pärchen in unserem Alter auch.

Ich brauche zwar manchmal, aufgrund meiner Behinderung, mehr Aufmerksamkeit, Zuwendung und Nähe sowie regelmäßige Auszeiten und Pausen, als vielleicht jemand ohne Behinderung. Doch das hält uns nicht davon ab, all die Dinge zu tun, die andere Pärchen in unserem Alter auch tun und die gemeinsame Zeit miteinander zu genießen. Egal, ob auf dem Sofa kuschelnd einen Film ansehen, ein Restaurant- oder Kinobesuch oder eine gemeinsame Urlaubsreise. Nichts ist unmöglich. Es bedarf halt nur manchmal eine andere Planungs- und Herangehensweise. Doch das stellt für uns kein Hindernis dar.


Was liebst du besonders an mir?

Ich: Oh, es gibt da so Einiges, was ich an dir liebe. Auch wenn ich es dir leider viel zu selten sage. Angefangen von deinen braunen Augen und deinem verschmitzten Lächeln, über deinen Humor, bis hin zu deiner ruhigen und gelassenen Art. Doch besonders liebe ich an dir, dass du mich so akzeptierst, wie ich bin. Mit all meinen Ecken und Kanten. Dafür bin ich dir sehr dankbar.

Gibt es auch etwas, was dich an mir total nervt? Wenn ja, was ist es?

Ich: Mich nervt es total, dass du dir oftmals über viele Dinge gar keinen Kopf machst und diese einfach so auf dich zukommen lässt. Meistens endet es dann so, dass du wichtige Aufgaben nur halbherzig oder viel zu spät erledigst oder so auch wertvolle freie Zeit ungenutzt bleibt. Zu dir könnte gut der Spruch „Komm‘ ich heute nicht, komm‘ ich morgen (oder auch übermorgen)“ passen. :D Außerdem nervt es mich total, wenn du morgens während des Rasierens all deine Barthaare im ganzen Waschbecken verteilst und diese anschließend nicht ordentlich wegmachst. Grrrr.

Woran merkst DU eigentlich, dass ich dich liebe?

Ich: Neben solchen Dingen wie ein „Ich liebe dich“, küssen oder Händchen halten, sind es für mich die vielen kleinen Dinge im Alltag, woran ich letztendlich immer wieder merke, dass du mich wirklich liebst. Zum Beispiel, wenn du mich einfach so mit Blumen oder meiner Lieblingsschokolade überraschst oder du bei jedem Meltdown (Wutausbruch) trotzdem bei mir in der Nähe bleibst und aufpasst, dass nichts Schlimmeres passiert, obwohl ich weine, schreie und um mich schlage.

Ist es dir eigentlich unangenehm, manchmal so wütend zu werden?

Ich: Ja, sehr! Eigentlich möchte ich gar nicht so wütend werden und weinen, schreien und um mich schlagen. Doch in solchen Momenten habe ich mich leider nicht mehr unter Kontrolle und es brodelt einfach alles so aus mir heraus. Wie ein Vulkan. In den meisten Fällen habe ich dann vorweg keine Möglichkeit gehabt, mich bei einem Overload (Reizüberflutung) zurückziehen, sodass ich irgendwann einfach geradewegs in einen Meltdown (Wutausbruch) schliddere. Oder ich bin so schnell in einen Meltdown (Wutausbruch) geraten, sodass ich vorweg ebenfalls keine Möglichkeit gehabt habe, dagegen zum Beispiel mit meinen Helferlein aus der Notfall-Kiste anzusteuern. Wichtig ist, dass du weißt, dass ich nie grundlos so wütend werde. Auch, wenn du in solch einem Moment vielleicht nicht immer nachvollziehen kannst, warum ich gerade so wütend bin. Es gibt immer einen Grund dafür, warum ich mich gerade so verhalte, wie ich mich verhalte.

Gibt es denn irgendwas, was ich für dich in solchen Momenten tun kann? Ich bin mir oft so unsicher, ob und wie ich dir helfen könnte.

Ich: Nein, nicht wirklich. Wenn ich wirklich in einen Meltdown (Wutausbruch) geraten bin, dann ist es am besten, wenn du einfach in meiner Nähe bleibst, aufpasst, dass nichts Schlimmeres passiert und abwartest, bis ich mich wieder beruhigt habe. In solchen Momenten ertrage ich nämlich meistens überhaupt keine Nähe und Berührungen. Diese bringen mich nur weiter in den Meltdown (Wutausbruch). Genauso wenig ertrage ich es, wenn du versuchst auf mich einzureden. Auch wenn du es letztendlich nur gut meinst.

Wie stellst du dir unsere gemeinsame Zukunft vor?

Ich: Ich wünsche mir im Moment nichts sehnlicher, als dich in naher Zukunft zu heiraten, mit dir zwei - nein, am besten drei - Kinder zu bekommen und irgendwo ein kleines Häuschen zu bauen oder zu kaufen. Das wäre schön. Außerdem möchte ich mit dir gerne noch die eine oder andere Reise unternehmen. :)

Kannst du dich eigentlich noch an unseren ersten gemeinsamen Kinofilm erinnern?

Ich: Oh ja! Das war Hitch – Der Date Doktor. Diesen Film haben wir uns gemeinsam Ostern 2005 im Kino in Flensburg angesehen, als ich gemeinsam mit meiner Familie das allererste Mal bei euch oben zu Besuch gewesen bin. Ich weiß noch, dass wir an diesem Tag den ganzen Kinosaal für uns allein hatten. Und einen riesengroßen Eimer Popcorn, den wir nicht einmal annähernd geschafft haben. Das werde ich nie vergessen. :D Allerdings ist es mir ein Rätsel, warum wir uns damals ausgerechnet diesen Film – eine romantische Komödie - ausgesucht haben. Eigentlich sehen wir uns beide doch meistens lieber irgendwelche Krimis, Thriller oder Animationsfilme im Kino an. Obwohl du zugeben musst, dass du schon so ein bisschen auf Liebesfilme stehst, ganz im Gegensatz zu mir. Ich sage nur: Elizabethtown. :D :)

… und zum Schluss noch, weil es so lustig ist: Gibt es ein Lied, dass dich an uns beide erinnert oder das du mit uns beiden verbindest?

Ich: Neben den Liedern „Mutt“ von Blink 182, „Bonnie und Clyde“ von den Toten Hosen und „All Star“ von Smash Mouth, die wir damals rauf und runter gehört haben, muss ich vor allem immer bei dem Lied „Heaven“ von The Walkmen an dich denken. Das Lied lief während der allerletzten Szene bei How I met your Mother, als Ted nach all den Jahren plötzlich mit dem blauen Horn vor der Wohnung von Robin steht, um ihr zu zeigen, dass er sie liebt und sie auch schon immer geliebt hat. Ich liebe, liebe, liebe diese Szene. Und ich liebe, liebe, liebe dieses Lied. Das könnte auch unser Lied sein. Deswegen würde ich es auch gerne auf unserer Hochzeit irgendwann mal spielen, kurz nachdem wir uns das Ja-Wort gegeben haben und gemeinsam Hand in Hand aus der Kirche in unser neues Leben als Ehepaar schreiten werden.

Nadine

2016/09/18

Buchtipp: Ein Kaktus zum Valentinstag - Ein Autist und die Liebe

Da ich mich in den letzten Wochen aufgrund meiner Operation möglichst schonen sollte, habe ich viel Zeit zum Lesen gehabt. So konnte ich endlich die Bücher „Ein Kaktus zum Valentinstag – Ein Autist und die Liebe“ und „Der Junge vom Saturn – Wie ein autistisches Kind die Welt sieht“ von Peter Schmidt anfangen zu lesen, welche ich von meinen Eltern zu meinem 25. Geburtstag geschenkt bekommen habe.

Peter Schmidt, promovierter Geophysiker, IT-Experte und Autor, ist ebenfalls Asperger-Autist. Die Autismus-Diagnose erhielt er allerdings erst im Alter von 41 Jahren. Gemeinsam mit seiner Frau Martina und den beiden Kindern Raphael und Ramona lebt er in Gadenstedt im Peiner Land. Aufmerksam wurde ich auf Peter Schmidt durch die Fernsehsendung 37 Grad, in dem er Anfang dieses Jahres in einem Beitrag über das Asperger-Syndrom neben Denise Linke und Marcello Mazzon zu sehen war (falls ihr den Beitrag noch nicht gesehen habt, könnt ihr euch diesen hier in der Mediathek des ZDFs noch einmal kostenlos ansehen). Ich fand ihn als Mensch und seinen Werdegang auf Anhieb sehr faszinierend. Daher war ich ganz gespannt auf die Bücher von Peter Schmidt.

Heute möchte ich euch hier auf dem Blog als erstes das Buch „Ein Kaktus zum Valentinstag – Ein Autist und die Liebe“ von Peter Schmidt etwas näher vorstellen, in dem er erzählt, wie er seine Frau Martina kennen und lieben gelernt hat.

Ein Kaktus zum Valentinstag

Ein Kaktus zum Valentinstag

Ein Kaktus zum Valentinstag

Auf der Rückseite des Buches ist folgendes über den Inhalt zu finden:

Eine wunderbar stachelige Love Story mit Happy End

Ein Autist und die Liebe? Das ist wie ein schwarzer Schimmel. Unmöglich. Doch Dr. Peter Schmidt wünscht sich eine Familie und so verfolgt er sein Ziel mit wissenschaftlicher Akribie und ungewöhnlichen Mitteln. Menschen betrachtet er lieber von hinten, weil er Hosennähte spannender findet als Gesichter. Mimik kann er nicht deuten und die Regeln des Flirts und des gepflegten Small Talks sind ihm ein Rätsel. Also analysiert er Liebesfilme, erstellt Liebesdiagramme und führt bei geeigneten Kandidatinnen Fahrradausdauer- und Tropentauglichkeitstests durch – bis er die Auserwählte zum Tanz auffordert. Denn schließlich soll die Liebe ja ein Leben lang – und auch auf Reisen! – halten.


Ich habe das Buch nur so verschlungen, da mich als Asperger-Autistin Peters und Martinas Schmidts außergewöhnliche Liebesgeschichte sehr berührt hat und ich es sehr spannend fand, wie die beiden sich trotz aller anfänglicher Schwierigkeiten kennen und lieben gelernt haben. Doch in dem Buch erzählt Peter Schmidt nicht nur auf sehr offene, ehrliche und unterhaltsame Weise wie er nach vielen erfolglosen Versuchen, die Partnerin für das Leben zu finden, Martina durch Zufall in einer Zahnarztpraxis begegnet ist, sondern auch über viele weitere Ereignisse in ihrem Leben wie zum Beispiel den Einzug in die erste gemeinsame Wohnung, die gemeinsame Hochzeit, die gemeinsamen Kinder oder aber auch wie es zu der späten Autismus-Diagnose kam. Und das mit allen Höhen und Tiefen. Hierbei verwendet er immer wieder ganz eigene Wortkreationen, die verdeutlichen, wie er als Autist die Welt wahrnimmt. Zum Beispiel bezeichnet er das Weinen als Gesichtsregnen. Ich muss gestehen: Auch bei mir hätte es im Gesicht an einigen Stellen des Buches vor Rührung fast angefangen zu regnen.

Ein Buch das Mut macht! Auch, wenn Peter Schmidt den einen oder anderen Umweg gehen musste, um seine große Liebe zu finden, beweist er, dass es als Autist, entgegen vieler Annahmen, genauso möglich ist, eine glückliche Beziehung zu führen und eine eigene Familie zu gründen. Daher kann ich das Buch sowohl Betroffenen, als auch Angehörigen nur empfehlen!

Besonders gefreut habe ich mich übrigens über die vielen persönlichen Familienfotos, die in der Mitte des Buches zu finden sind. Diese unterstreichen noch einmal die außergewöhnliche Liebesgeschichte von Peter und Martina Schmidt.

Nadine



2016/02/22

Woran merkst du eigentlich, dass ich dich liebe? Interview mit Marc über das Thema Beziehung

Der heutige Post ist ein ganz besonderer Post! In diesem Post kommt nämlich das allererste Mal Marc auf dem Blog zu Wort in Form eines Interviews, mit dessen Hilfe ich die Beziehung zwischen eines Menschens mit Asperger-Syndrom und einem nicht autistischen Menschen, vor allem aus der Sicht des nicht autistischen Menschens, näher beleuchten möchte. Für das Interview habe ich mir vorab ein paar Fragen überlegt, die Marc dann daraufhin schriftlich für mich beantwortet hat.

Viel Spaß beim Lesen des Interviews!

Herz aus Muscheln

Wie haben wir uns kennengelernt und wie lange sind wir schon zusammen?

Marc: Wir haben uns im Sommer 2002 auf der Chatplattform „Knuddels“ kennengelernt. Ich habe dich dort damals angeschrieben, weil du sehr viele der begehrten Knuddels gesammelt hattest und ich diese gerne haben wollte. Wir sind dann doch tiefer ins Gespräch gekommen, als ich eigentlich geplant hatte, und haben uns seit diesem Zeitpunkt nicht mehr aus den Augen verloren. Zusammengekommen sind wir dann jedoch erst am 28. Dezember 2004. Du hast mir damals spät am Abend die Fragen aller Fragen per SMS geschickt, die ich dann natürlich bejaht habe. Seitdem sind wir unzertrennlich und mittlerweile schon über elf Jahre zusammen.

Was macht unsere Beziehung aus deiner Sicht so besonders?

Marc: Das Besondere an unserer Beziehung ist, dass sie - trotz unseres jungen Alters damals – seit über elf Jahren besteht. Von diesen elf Jahren haben wir zudem über acht Jahre lang eine Fernbeziehung geführt und daher viele Stunden in Zügen, auf Bahnhöfen und auf der Autobahn verbracht, um zwischen Flensburg und Hannover hin und her zu pendeln. Diese Zeit hat uns sehr miteinander verbunden!

Was liebst du besonders an mir?

Marc: Es gibt so viele Dinge, die ich an dir liebe. Doch besonders liebe ich an dir deinen Humor, wie du im Auto stundenlang deine Lieblingslieder laut mitsingst oder auch deine Augen, durch die du so viele Emotionen zum Ausdruck bringen kannst.

Gibt es auch etwas, was dich an mir total nervt? Wenn ja, was ist es?

Marc: Mich nervt manchmal total dein Pessimismus. Da ich grundsätzlich eher optimistisch eingestellt bin, sind wir aufgrund dessen schon das eine oder andere Mal aneinander geraten. Vielleicht sollten wir zukünftig versuchen uns irgendwo in der Mitte zu treffen.

Woran merkst du eigentlich, dass ich dich liebe? Ich sage ja zum Beispiel selten die berühmten drei Worte zu dir oder küsse dich.

Marc: Die berühmten drei Worte sind für mich nicht alles. Taten sagen so viel mehr aus als irgendwelche Worte. Du hast einmal zum Beispiel ein Pfannkuchenherz für mich gebacken. Ohne dass ich etwas geahnt habe, habe ich auf einmal ein Herz auf dem Teller liegen gehabt. Darüber habe ich mich total gefreut! Was ich auch irgendwie sehr liebenswert finde, ist, dass du ohne mich gar nicht mehr schlafen kannst – zumindest nur sehr schwer. Da du ja eigentlich nie genug Platz im Bett haben kannst, denke ich mir jedes Mal, wenn ich nachts arbeiten muss, dass du den besten Schlaf deines Lebens haben müsstest. Du berichtest mir aber jedes Mal davon, dass du ohne mich nicht schlafen konntest.

Wie gehst du mit meinen immer wiederkehrenden Reizüberflutungen und meinem erhöhten Bedürfnis nach Rückzug und Ruhe um?

Marc: Die immer wiederkehrenden Reizüberflutungen sowie dein erhöhtes Bedürfnis nach Rückzug und Ruhe ist etwas, was einfach zu dir gehört. Ich habe dich genauso so kennen und lieben gelernt, unabhängig von deiner Asperger-Diagnose, die ja eh erst wesentlich später kam. Es ist zwar nicht immer einfach, vor allem was die Reizüberflutungen betrifft, doch mittlerweile haben wir beide einen ganz guten Weg gefunden damit umzugehen. Da ich auch eher ein ruhebedürftiger Mensch bin, ist genau das vermutlich auch ein Punkt, warum wir so gut miteinander harmonieren und schon so lange zusammen sind. Wenn du Ruhe und Zeit für dich benötigst, dann gebe ich sie dir. Du gibst mir ja genauso die Möglichkeit Zeit für mich zu haben. Nur weil wir ein Paar sind, heißt es ja nicht, dass wir 24 Stunden am Tag Zeit miteinander verbringen müssen.

Verletzt es dich, wenn ich manchmal keine Nähe zu dir zulassen kann?

Marc: Nein, das verletzt mich nicht. Ich respektiere deine Bedürfnisse und du meine. Es ist einfach ein Prinzip der Gegenseitigkeit, was wir über die Jahre hinweg ziemlich gut hinbekommen haben. Dieses gegenseitige Vertrauen und die Wertschätzung, die damit verbunden ist, ist übrigens auch ein Punkt den ich sehr an dir liebe.

Gibt es auch Tage an denen dir alles zu viel wird? Wenn ja, was machst du dann an solchen Tagen?

Marc: Es gibt tatsächlich Tage, an denen es besser ist, wenn wir beide uns aus dem Weg gehen. Diese Tage sind aber zum Glück sehr selten. Wenn es jedoch dazu kommt, dann gehe ich am liebsten Laufen oder Schwimmen – danach ist alles wieder gut. :)

Wie stellst du dir unsere gemeinsame Zukunft vor?


Marc: Das kann ich dir genau sagen: In einem kleinen Haus, mit zwei bis drei Kindern in der Nähe vom Meer. Außerdem hätte ich gerne einen Hund und eine Katze. Den Hund für mich, die Katze für dich. Das Beste an unserer Zukunft wird sein, dass wir dann endlich ganz offiziell wieder Schlitten fahren gehen, Kinderfilme im Kino anschauen und Ausflüge für Familien machen können.

… und zum Schluss noch, weil es so lustig ist: Gibt es ein Lied, dass dich an uns beide erinnert oder das du mit uns beiden verbindest?

Marc: Da gibt es so einige, aber hier mal eine kleine Auswahl:

Blink 182 – I Miss You: Das Lied haben wir auf unserem ersten gemeinsamen Konzert in Hamburg gehört. Es hat auf einmal wie aus Kübeln angefangen zu regnen. Wir waren von oben bis unten nass, aber das war egal – der Moment war einmalig.

Materia – Endboss: Das Lied haben wir zufällig auf einem Konzert von Casper in Hamburg gehört. Irgendwie verbinde ich das Lied sehr mit unserem Leben. Wir kämpfen uns von Level zu Level bis unsere Wünsche und Träume in Erfüllung gehen.

The Drums – Let’s Go Surfing: Das Lied verbinde ich mit tollen Sommertagen an der Ostsee. Sonnenbrille auf, Fenster runter, Musik so laut wie es geht. Ein perfekter Sommertag, nur mit dir.

System of a Down – Chop Suey: Das Lied haben wir vor kurzem seit Jahren mal wieder auf Delta Radio gehört. Du bist wie eine Wilde während des Abwaschs durch die Küche gerockt. Das war so witzig!


Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen und so ausführlich meine Fragen über das Thema Beziehung beantwortet hast!

Marc und ich haben uns schon vorgenommen, dass wir das Ganze bald noch einmal umdrehen werden und Marc mir dann ein paar Fragen zu dem Thema Beziehung stellen wird, die ich dann ebenfalls schriftlich beantworten werde.

Nadine

2015/01/10

Das Jahr 2014 - Ein kleiner Jahresrückblick

Hallo ihr Lieben.

Ich wünsche euch ein frohes neues Jahr!

Ich hoffe, ihr seid gut in das neue Jahr gekommen. Marc und ich haben den Jahreswechsel ganz ruhig verbracht. Wir haben gemeinsam mit seiner Familie Raclette gemacht, ein paar Runden Skip-Bo gespielt und uns dann das Feuerwerk angesehen.

Hier nun – etwas verspätet – ein kleiner persönlicher Jahresrückblick mit besonders schönen Erlebnissen und Momenten aus dem Jahr 2014:

Unser Kurztrip nach Dänemark – zum Hot Dog essen :-)


Das Casper Konzert


Der Ausflug in den Zoo Hannover




Die WM 2014



Omas 60. und mein 23. Geburtstag (wir haben am selben Tag Geburtstag und gemeinsam gefeiert)



Das Feuerwerk beim Steinhuder Meer in Flammen


Das Hamburger Crash Festival


Der Nachmittag in Kronsgaard



Marcs 25. Geburtstag


Kinderschokolade-Muffins backen mit meiner kleinen Cousine


Das Theaterstück „Bei den wilden Kerlen“


Der 10. Jahrestag von Marc und mir



Das Treffen mit meiner Tante und meinen beiden Cousins auf dem Weihnachtsmarkt Hannover


Vielen Dank für all die schönen Erlebnisse und Momente!

Ich bin schon ganz gespannt auf das, was mich im neuen Jahr erwartet. Denn: In diesem Jahr stehen unter Umständen einige Veränderungen an wie ein beruflicher Neuanfang für Marc, ein Umzug in eine neue Wohnung und das Ende meiner Verhaltenstherapie. Doch darüber werde ich sicherlich in der nächsten Zeit das ein oder andere Mal noch schreiben.

Nadine

2014/12/29

10 Jahre

… sind Marc und ich nun schon zusammen. Wahnsinn, oder? Das musste gefeiert werden. :-)

Wunderkerze Herz

Anstatt uns gegenseitig etwas zu schenken, haben wir beschlossen, gemeinsam ins Kino zu gehen und uns den Film „Honig im Kopf“ anzusehen. Auch wenn Marc anfangs ziemlich genervt gewesen ist, weil wir keinen Parkplatz gefunden und es dadurch gerade noch so rechtzeitig ins Kino geschafft haben, war es dennoch ein sehr schöner, entspannter Abend. Im Kino angekommen, haben wir es uns mit einer riesengroßen Portion Knabberkram (Nachos mit Käsesoße für Marc und Popcorn für mich) gemütlich gemacht und voller Vorfreude den Film angesehen. Ein wirklich großartiger Film! Wunderschön, lustig und traurig zugleich. An einigen Stellen habe ich tatsächlich mit den Tränen kämpfen müssen, weil mich der Film so berührt hat. Ein ganz großes Lob an Dieter Hallervorden und Emma Schweiger – die beiden waren zusammen unschlagbar! Wieder zuhause, haben wir eine Wunderkerze in Herzform angezündet und anschließend noch eine ganze Weile über alles Mögliche „geschnackt“.

Ich werde diesen Tag noch lange in guter Erinnerung behalten. Auf viele weitere glückliche gemeinsame Jahre!

Nadine