2017/11/20

Aller Anfang ist schwer

Mittlerweile ist Marc seit über zehn Wochen in Berlin. Wahnsinn, oder? Doch die ersten Tage und Wochen ohne Marc waren ehrlich gesagt alles andere als leicht für mich. Mal abgesehen davon, dass ich mich erst einmal wieder bei meinen Eltern zuhause einleben musste, habe ich mich zusätzlich der einen oder anderen ungeahnten Herausforderung in meinem neuen Alltag stellen und des Öfteren so manch kleinere oder auch größere Katastrophe erleben müssen.

Gleich an dem Tag, an dem sich Marc auf den Weg nach Berlin gemacht hat, habe ich zum Beispiel schon die ersten zwei Termine gehabt, die ich ganz alleine meistern musste. Zuerst habe ich einen Termin bei meinem Psychiater gehabt, um mit ihm endlich über meine Schlafprobleme zu sprechen und dafür hoffentlich eine Lösung finden zu können. Und gleich im Anschluss habe ich noch meinen wöchentlichen Termin bei der Ergotherapie gehabt. Doch schon auf dem Hinweg bin ich - warum auch immer – in den falschen Bus gestiegen und habe dies leider erst bemerkt, als der Bus in eine völlig andere Richtung gefahren ist, als ich eigentlich gemusst hätte. Ich hätte heulen können! Vor meinem inneren Auge habe ich mich schon den Termin bei meinem Psychiater absagen sehen. Und das obwohl ich doch so lange auf diesen wichtigen Termin gewartet habe! Denn mit dem nächsten Bus, der gefahren wäre, hätte ich es definitiv nicht rechtzeitig zu dem Termin geschafft. Zudem wusste ich kurzzeitig einfach nicht, was ich tun sollte. All meinen Mut zusammennehmen und den Busfahrer fragen, ob der Bus auch in dem Ort hält, in dem ich eigentlich hätte aussteigen müssen, dadurch unter Umständen aber auch riskieren, dass ich noch viel länger in die falsche Richtung fahre, oder an der nächst möglichen Haltestelle aussteigen und doch noch versuchen, meinen eigentlichen Bus zu erwischen, obwohl die Chancen - sagen wir mal - eher sehr bescheiden aussahen? Letztendlich habe ich mich dann doch für Letzteres entschieden und bin, nachdem ich einen kurzen, aber ziemlich heftigen Anflug von Panik halbwegs überwunden habe, an der nächst möglichen Haltestelle ausgestiegen und in einem Affentempo mit Tränen in den Augen zu der Haltestelle zurück gerannt, an der mein eigentlicher Bus halten würde. Und ich habe es tatsächlich noch gerade so geschafft diesen zu erwischen und so rechtzeitig den Termin bei meinen Psychiater wahrzunehmen! Auch wenn meine Energiebatterie zu diesem Zeitpunkt schon fast aufgrund dieses kleinen unfreiwilligen Abenteuers so gut wie aufgebraucht gewesen ist.

Und auch Marc und mein erstes gemeinsames Wochenende lief irgendwie völlig anders, als gedacht. Kennt jemand von euch zufällig den Film 500 Days of Summer? In dem Film gibt es eine Szene, in der sich der Hauptdarsteller namens Tom vorstellt, wie ein Treffen auf einer Party mit seiner über alles geliebten Summer ablaufen könnte, und gleichzeitig wird eingeblendet, wie das Treffen in Wirklichkeit abläuft. Genau so ist es bei Marc und mir an diesem besagten ersten gemeinsamen Wochenende wohl auch leider gelaufen! Ich habe nämlich die höchst romantische Vorstellung gehabt, dass Marc und ich uns bei unserem ersten Widersehen nur so in die Arme fallen werden und wir von da an jede Minute dieses Wochenendes gemeinsam miteinander verbringen würden, weil wir uns so sehr vermisst haben. Zudem wollte ich unbedingt an diesem Wochenende mit Marc seit langem mal wieder gemeinsam in das Fitnessstudio und endlich unser Wohnzimmer wieder aufräumen. Seitdem wir dort nämlich die Tage zuvor unsere Ordner mit all unseren wichtigen Unterlagen neu sortiert haben, sah es dort so aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte. Doch letztendlich war Marc nach den ersten Tagen in Berlin einfach nur total müde und kaputt und zu kaum etwas zu bewegen. Er war noch nicht einmal dazu zu bewegen, die Abende noch eine Folge der Serie „Atypical“ auf Netflix zu schauen, obwohl wir beide die Serie sehr gemocht haben. Und auch ich war nach diesen doch sehr aufregenden ersten Tagen ohne Marc ziemlich schlecht gelaunt und bekam noch viel schlechtere Laune, als mir bewusst wurde, dass mein Plan für dieses Wochenende irgendwie nicht so ganz aufgehen wollte, wie ich mir das eigentlich vorgestellt gehabt habe. So schlechte Laune, dass ich letztendlich geradewegs in einen ziemlich heftigen Meltdown (Wutausbruch) geschliddert bin und Marc und ich uns dann auch noch währenddessen wegen irgendeiner Kleinigkeit in einer nie enden wollenden Diskussion verzettelt haben. Und damit war das Wochenende dann endgültig gelaufen! So haben Marc und ich letztendlich an diesem Wochenende weder etwas Sinnvolles gemacht, noch groß gemeinsam Zeit miteinander verbracht. Super!*

*Keine Sorge! Marc und ich haben uns noch an dem selben Nachmittag, als wir uns gestritten haben, wieder miteinander vertragen. Wir können nämlich zum Glück nie wirklich lange aufeinander böse sein! :)

Hinzu kam, dass ich die ersten Tage ohne Marc nur sehr schlecht schlafen konnte. Trotz Neuroleptikum, welches ich vorrübergehend von meinem Psychiater verschrieben bekommen habe. Ich war die ersten Nächte über ständig wach und habe vor Angst einfach kein Auge zubekommen. Deshalb liefen auch in den ersten Nächten meine Hörspiele in Dauerschleife. Und meine drei Nachtlichter mussten sowieso die ganze Nacht über an sein. Erholsamer Schlaf ist definitiv etwas anderes! So bin ich dann meistens schon morgens völlig übermüdet und überreizt in den Tag gestartet, was zugegebenermaßen ganz schön an meinen Kräften gezerrt hat. Und auch meine Laune war dadurch nicht gerade die Beste. Siehe oben. Öhöm.

Doch mittlerweile habe ich angefangen, mich halbwegs mit der neuen Situation zu arrangieren. Ich habe mich zum Glück wieder recht schnell bei meinen Eltern zuhause eingelebt und mich an deren Abläufe und Routinen gewöhnt. Neben meinem wöchentlichen Termin bei der Ergotherapie jeden Montag und momentan auch wieder alle zwei Wochen freitags, gehe ich mindestens einmal in der Woche in das Fitnessstudio, um mich dort etwas sportlich zu betätigen. Je nachdem, welche Termine sonst noch so in der Woche anstehen und wie ich mich so fühle. Ich habe nämlich nach wie vor noch den einen oder anderen Arzttermin zu meistern, da es mir gesundheitlich leider noch immer nicht so gut geht und ich gefühlt jede Woche etwas Neues anschleppe. Erst neulich habe ich mir zum Beispiel, als ich eine Kiste unter mein Bett schieben wollte, das linke Knie verdreht und musste deswegen spontan zum Kassenärztlichen Notdienst in das Krankenhaus, weil ich das Knie kurzzeitig nicht mehr belasten konnte. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte. Zudem habe ich nun auch bei meinen Eltern zuhause feste Aufgaben im Haushalt übernommen. Ich mache zum Beispiel jeden Dienstag das Badezimmer sauber, wasche nebenbei all die Wäsche von meinen Eltern und mir und hänge diese zum Trocknen auf dem Wäscheständer auf und auch wieder ab oder koche auch jeden Donnerstagabend das Abendessen für meine Eltern und mich. Und die restliche Zeit schreibe ich dann immer fleißig an neuen Beiträgen für meinen Blog und teile in regelmäßigen Abständen immer mal wieder ein paar Alltagsmomente von Marc und mir auf Instagram. So vergeht die Zeit zum Glück meistens ziemlich schnell, bis Marc am Freitagnachmittag aus Berlin wieder zurück ist.

Mittlerweile genießen Marc und ich übrigens die gemeinsamen Wochenenden sehr! Denn nach diesem katastrophalen ersten gemeinsamen Wochenende haben wir beide uns nämlich ganz fest vorgenommen, die Zeit an den Wochenenden besser zu nutzen und trotz aller Aufgaben und Pflichten, die im Alltag so anfallen, wie zum Beispiel der Haushalt oder auch Papierkram, so oft wie möglich etwas Schönes gemeinsam zu unternehmen und Zeit miteinander zu verbringen. Wir waren zum Beispiel an den letzten Wochenenden schon mehrmals auf dem Kürbishof bei uns in der Nähe zu Besuch, im Wald spazieren oder haben abends gemeinsam etwas Leckeres gekocht oder gespielt. Außerdem waren wir mehrmals im Kino zu Besuch und einmal anlässlich zu Marcs Geburtstag sogar im Zirkus.

Und auch das alleine Schlafen klappt zum Glück viel besser als zuerst befürchtet. Zwar benötige ich noch immer ein Nachtlicht, ein Kuschelkissen oder auch ein Hörspiel zum Einschlafen, genauso wie das Neuroleptikum, aber immerhin schlafe ich die Nächte mittlerweile weitestgehend durch und kann so wieder deutlich erholter in den Tag starten. Vielleicht schreibe ich demnächst noch einmal über meine Schlafprobleme und was mir geholfen hat, die Nächte wieder weitestgehend durchzuschlafen einen etwas ausführlicheren Beitrag hier auf dem Blog. Das würde nämlich jetzt an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Aber ich kann mir vorstellen, dass dieses Thema für den einen oder anderen von euch bestimmt ganz interessant sein könnte. Auch, wenn es ein sehr privates Thema ist.

Das Einzige, was mir noch immer ziemlich zu schaffen macht, ist das Fahren mit dem Bus und der Bahn. Vor allem, wenn es morgens so voll ist. Am liebsten würde ich dann mitten auf dem Weg einfach so aus dem Bus oder der Bahn aussteigen, da ich mich zwischen all den Menschen um mich herum so unwohl und eingeengt fühle und ich ernsthaft immer wieder Panik bekomme, mich nicht rechtzeitig zur Tür vorkämpfen zu können, um auszusteigen. Aber daran werde ich mich hoffentlich mit der Zeit auch noch gewöhnen. Im falschen Bus saß ich dafür nur ein einziges weiteres Mal.

Nadine

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