2017/07/06

Sport gleich Mord?

Anfang des Jahres haben Marc und ich uns gemeinsam im Fitnessstudio angemeldet und gehen seitdem - soweit es unser doch manchmal sehr turbulenter Alltag zulässt - dort mindestens einmal wöchentlich trainieren, um nicht nur die einen oder anderen überschüssigen Pfunde loszuwerden, sondern auch um mehr für unsere Gesundheit zu tun und vor allem Stress abzubauen.

Ich muss gestehen, dass ich mich lange Zeit gewehrt habe, mich im Fitnessstudio anzumelden, da ich mir irgendwie immer vorgestellt habe, dass ich dort nur gemeinsam mit von oben bis unten muskelübersäten Männern und Frauen das Eisen verbiegen muss. Doch ich muss im Nachhinein sagen, dass ich bisher immer ein völlig falsches Bild davon gehabt habe. Die Fitnessstudiobesucher sind, zumindest in dem Fitnessstudio, in dem wir regelmäßig trainieren gehen, kunterbunt gemischt. Von groß, klein, dick, dünn, jung, alt, trainiert oder untrainiert bis hin zu Mann oder Frau ist dort so ziemlich jeder anzutreffen. Zudem gibt es dort auch einen extra Bereich für das bloße Krafttraining. Deshalb habe ich mich auch Anfang des Jahres, nachdem mal wieder ein Flyer vom Fitnessstudio in unserem Briefkasten gelandet ist und leider auch zu diesem Zeitpunkt die ersten gesundheitlichen Probleme wie zum Beispiel Übergewicht oder auch die Sache mit dem Reflux und der Speiseröhrenentzündung bei mir aufgetaucht sind, endlich dazu durchgerungen, gemeinsam mit Marc mich dort für ein vierwöchiges Probetraining anzumelden und es einmal auszuprobieren.

Gesagt, getan! Nachdem wir dann erst einmal ein Gespräch mit unserem zuständigen Trainer über unsere zu erreichenden Ziele und eventuelle bestehende gesundheitliche Probleme und Einschränkungen geführt haben und dieser daraufhin einen individuellen Trainingsplan für jeden von uns ausgearbeitet hat, konnte es auch schon losgehen. Seitdem trainieren Marc und ich dort mindestens einmal wöchentlich. Vor jedem Training wärmen wir uns erst einmal für fünf bis zehn Minuten im Kardiobereich auf. Hierfür stehen uns mehrere Laufbänder, Crosstrainer oder auch Fahrräder zur Verfügung. Doch Marc und ich haben uns beide dafür entschieden, vor dem Training erst einmal eine Runde mit dem Fahrrad zu fahren. Danach folgt dann das Krafttraining an den Geräten. Hierbei führen wir wiederum verschiedene Übungen durch, die wir in drei Sätzen fünfzehn Mal wiederholen, und so gezielt alle stabilisierenden Muskeln stärken, wie den unteren Rücken, den Bauchmuskel, den oberen Rücken, die Brustmuskeln oder auch die Beine und das Gesäß. Im Anschluss fahren wir dann noch einmal zehn bis zwanzig Minuten mit dem Fahrrad, um noch ein bisschen was für unsere Ausdauer zu tun und die einen oder anderen Kalorien zu verbrennen.

Allerdings ist es mir die ersten Wochen sehr, sehr schwer gefallen, dort regelmäßig trainieren zu gehen. Nicht, weil ich Probleme mit meinen Übungen gehabt habe oder unmotiviert gewesen bin oder so. Ganz im Gegenteil: das Training hat mir sogar richtig Spaß gemacht! Doch anfangs hat mir - aufgrund meines Asperger-Syndroms und meiner sozialen Phobie - das ganze Drumherum, was so neben dem Training dazugehört, arg zu schaffen gemacht. Ich wusste anfangs nie, was ich sagen sollte, wenn die Dame am Empfang versucht hat, mit mir Smalltalk zu halten, ich habe mich nur ungern in der meist doch sehr vollen Damenumkleide umgezogen und ich habe mich anfangs auch ein bisschen unwohl dabei gefühlt, vor all den anderen Fitnessstudiobesuchern und den Trainern, meine Übungen an den Geräten durchzuführen. Ich habe mich anfangs noch nicht einmal getraut, anschließend duschen zu gehen, obwohl ich es immer äußerst unangenehm fand, so verschwitzt wieder in meine Alltagskleidung zu schlüpfen. Einfach, weil die ganze Sache mit dem Fitnessstudio für mich völlig neu und ungewohnt gewesen ist und ich bis dahin bei vielen Dingen nicht wusste, wie sie funktionieren oder wo ich sie genau finde.

Hinzu kam, dass ich das Training zwischenzeitlich leider immer wieder unterbrechen musste und nur sehr unregelmäßig in das Fitnessstudio gehen konnte, da ich zwischenzeitlich nicht nur mit den Beschwerden, die mein Reflux und meine Speiseröhrenentzündung verursacht haben, sehr zu kämpfen gehabt habe, sondern vor allem auch mit den Nebenwirkungen der Tabletten, die ich dagegen verschrieben bekommen habe. Der Start verlief für mich also leider etwas holprig.

Doch mittlerweile sind Marc und ich wieder regelmäßiger im Fitnessstudio anzutreffen und wollen wieder voll durchstarten. Zwar geht es mir gesundheitlich noch immer nicht wirklich gut, doch ich möchte mich von all den Beschwerden, die mich in den letzten Wochen und Monaten doch sehr beherrscht haben, einfach nicht mehr unterkriegen lassen. Zudem bemerke ich immer wieder, wie gut mir das regelmäßige Training im Fitnessstudio tut. Ich fühle mich insgesamt einfach viel ausgeglichener und merke, dass die innere Anspannung deutlich weniger geworden ist und damit auch die oftmals damit verbundenen Overloads (Reizüberflutungen) und Meltdowns (Wutausbrüche). Und auch all meine kleinen Problemchen und Sorgen, die ich zu Beginn gehabt habe, habe ich mittlerweile zum Glück geschafft, weitestgehend zu überwinden. Zum Einen stand mir, neben Marc, viel meine Mama zur Seite. Meine Mama trainiert nämlich ebenfalls in dem selben Fitnessstudio, in dem wir uns angemeldet haben. Sie war letztendlich auch diejenige, die mich zum Beispiel noch einmal durch die Damenumkleide geführt und mir dort alles gezeigt hat und mich so letztendlich ganz langsam an die ganze Sache mit dem Fitnessstudio herangeführt hat. Zum Anderen muss ich wieder mal schweren Herzens zugeben, dass Übung einfach den Meister macht. Um so öfter und regelmäßiger ich im Fitnessstudio zum Trainieren gewesen bin, um so leichter fiel es mir auch letztendlich irgendwann, mich dort zurechtzufinden. Mittlerweile weiß ich einfach, wie was funktioniert oder wo ich was finde.

Im Nachhinein bin ich wirklich sehr froh, es trotz aller anfänglichen Schwierigkeiten mit dem Fitnesstudio einmal ausprobiert zu haben und freue mich wirklich sehr darüber, scheinbar nun endlich eine Sportart gefunden zu haben, dir mir Spaß macht und die ich mir auch für längere Zeit vorstellen könnte, zu betreiben. Spätestens, wenn Marc und ich Anfang August wieder von unserem zweiwöchigen Besuch an der Ostsee zurück sein werden, werden wir noch einmal erneut das Gespräch mit unserem zuständigen Trainer suchen und uns von ihm noch ein paar weitere Übungen zeigen lassen. Ich bin schon ganz gespannt, was er für uns noch so an Übungen parat hat und ob mir diese genauso gut gefallen werden, wie meine jetzigen Übungen. Vielleicht traue ich mich ja in den nächsten Wochen auch mal einen der vielen angebotenen Kurse mitzumachen oder auch mal dort die große Saunalandschaft zu besuchen. Dazu konnte ich mich bisher nämlich noch nciht durchringen.

Nadine

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