2016/07/04

Über eine wunderschöne Waldbestattung

Das vergangene Wochenende wurde mein Opa drei Wochen nach seinem Tod in einem wunderschönen kleinen Waldstück ganz bei uns in der Nähe bestattet.

Doch bevor ich euch ein bisschen mehr über die Waldbestattung meines Opas erzählen möchte, möchte ich mich vorweg bei euch ganz, ganz herzlich für all die lieben Worte bedanken, die mich in den letzten Tagen auf den verschiedensten Wegen erreicht haben. Eure Worte haben mir nicht nur sehr viel Trost gespendet, sondern mir auch sehr viel Kraft für die kommende Zeit gegeben, besonders für die bevorstehende Bestattung. Vielen, vielen Dank dafür!



Die Bestattung meines Opas fand am frühen Nachmittag im engsten Familienkreis statt. Wir als Familie waren uns von Anfang an einig, dass jeder zu der Bestattung meines Opas das anziehen darf, worin er sich am wohlsten fühlt. Ich habe mich deshalb entschieden, ein dunkelblaues T-Shirt mit einem Stern darauf, eine Jeans, meine geliebten beigen Chucks und eine dunkelblaue Regenjacke zu tragen. An dem Tag, an dem mein Opa bestattet wurde, regnete es draußen nämlich unaufhörlich in Strömen und es blitzte und donnerte immer wieder, ähnlich wie an dem Tag, an dem er verstorben ist. Doch passender hätte das Wetter, wie ich finde, nicht sein können. So habe ich mich ihm noch einmal unglaublich nah fühlen können.

Nachdem wir uns zuerst alle am Andachtsplatz mitten im Wald eingefunden haben, um die Urne von meinem Opa entgegen zu nehmen, welche auf einem großen mit einem Kranz geschmückten Stein stand, machten wir uns gemeinsam mit einem Förster auf dem Weg zu dem Baum, unter dem seine Urne beigesetzt werden sollte. Die Urne hat übrigens den ganzen Weg dorthin mein kleiner Cousin ganz fest in den Armen haltend getragen. Am Baum angekommen, welcher ebenfalls mit einem Kranz geschmückt gewesen ist, stellte meine Tante erst ein mitgebrachtes Bild im Bilderrahmen von meinem Opa vor seiner Grabstelle auf (das Bild, welches auch weiter oben von ihm zu sehen ist) und spielte dann über einen Lautsprecher zwei Lieder, die wir vorab gemeinsam ausgewählt haben. Währenddessen übergab mein kleiner Cousin die Urne von meinem Opa dem Förster, welcher diese langsam und vorsichtig in sein Grab hinunter gelassen hat. Danach hatte jeder von uns noch einmal die Möglichkeit, an sein Grab hervorzutreten, bunte Blütenblätter oder Sand oder auch beides hineinzugeben und sich von ihm endgültig zu verabschieden. Meine Tante hat an dieser Stelle noch laut ein selbst geschriebenes Gedicht für meinen Opa vorgelesen, welches mich sehr zu Tränen gerührt hat. Ich wiederum habe meinem Opa, als ich noch einmal vor zu seinem Grab gegangen bin, einen Brief und mein Lieblingsbild von uns beiden mit in sein Grab gelegt, um ihm auf diesem Wege noch einmal zu sagen, dass ich ihm verzeihe und ich mich für all die schönen Momente, die wir miteinander erlebt haben, bedanken möchte.

Nach der Bestattung sind wir, nachdem wir eine Tasse Kaffee und ein Stückchen Kuchen bei meinen Eltern zuhause gegessen haben, abends alle gemeinsam bei Omas und Opas derzeitigen Lieblingsgriechen essen gegangen. Dort haben wir Anfang des Jahres auch schon den 66. Geburtstag von meinem Opa zusammen gefeiert. Und das war es auch schon. Klein, aber fein.







Auch nach der Bestattung meines Opas bin ich bin noch immer sehr traurig über seinen Tod. Das wird wohl auch noch etwas Zeit brauchen. Doch im Nachhinein bin ich, so seltsam das im ersten Moment auch klingen mag, froh, dass er nun endlich bestattet wurde und seine Ruhe finden kann. Und das auch noch an einem so schönen und ruhigen Ort. Die drei Wochen nach seinem Tod bis zu seiner Bestattung waren nämlich eine unglaublich lange und schwierige Zeit für mich. Viel schwieriger, als die Zeit im Krankenhaus. In diesen drei Wochen gab es nämlich immer wieder Momente, die mich unausweichlich an seinen Tod erinnert haben. Sei es, immer wieder an dem Krankenhaus, in dem er gelegen hat, vorbei zu kommen, seine Traueranzeige in der Zeitung zu sehen oder auch zu wissen, dass er genau in diesem Moment im Krematorium verbrannt wird. Das hat mich immer wieder auf’s Neue sehr traurig gemacht. Doch nun, nach seiner Bestattung, kann ich endlich versuchen, einen Abschluss zu finden und zur Ruhe zu kommen.

Meine Oma hat mir übrigens die Würstchen-Sammelkarte von meinem Opa geschenkt, mit der er von der Tankstelle, wenn er dort zehnmal eine Bockwurst gegessen hätte, ein Extrawürstchen gratis bekommen hätte. Diese wollte ich unbedingt als Andenken an ihn behalten. Er hat nämlich so gerne Bockwürstchen gegessen.

Nadine

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