2015/11/15

Über den Abschied eines geliebten Menschen

Vor ein paar Tagen mussten wir Abschied von einem lieben Menschen nehmen: von Marcs Oma.

Sonnenuntergang

Seit Anfang September mussten wir mit der traurigen Gewissheit leben, dass der Krebs bei ihr erneut zurückgekehrt ist und sie in den kommenden Wochen sterben wird.

Diese Nachricht erreichte uns ganz unverhofft, als Marc und ich das Wochenende in Bad Pyrmont verbracht haben, kurz nachdem wir abends beim Italiener essen gewesen sind und uns eigentlich gerade auf dem Weg in den Kurpark zum Goldenen Sonntag machen wollten.

Ich habe lange überlegt, ob ich darüber hier auf dem Blog schreiben soll. Doch mir ist es wichtig, über die Erlebnisse der letzten Wochen und meine Gedanken und Gefühle zu schreiben, um all das, was passiert ist, besser verarbeiten zu können. Die letzten Wochen waren für mich nämlich eine unglaublich schwierige Zeit. Traurigkeit, Angst und die ewige Sorge, dass es jeden Tag soweit sein könnte, gehörten zu meinen ständigen Begleitern.

Als ich erfahren habe, wie es wirklich um ihren Gesundheitszustand steht und sie von den Ärzten als austherapiert erklärt worden ist, wollte ich all das zuerst gar nicht wahrhaben und habe die Gedanken an den Krebs und an ihren Tod ganz weit von mir weg geschoben. Das konnte einfach nicht sein!

Erst als wir an Marcs Geburtstag oben bei seiner Familie zu Besuch gewesen sind und ich gesehen habe, wie sie von Mal zu Mal schwächer geworden ist und es ihr immer schwerer gefallen ist, zu sprechen, zu gehen, zu sitzen oder auch zu essen, ist mir auf einmal bewusst geworden, dass sie bald sterben wird.

Wir haben uns stets bemüht, Marcs Oma gegenüber, so viel Normalität wie möglich zu erhalten. Bis zuletzt saßen wir abends in dem Wohnzimmer von Marcs Großeltern, haben Fernsehen geschaut, nebenbei uns über dies und das unterhalten und Süßigkeiten genascht. So wie wir es sonst auch immer getan haben. Der Tod war nie ein Thema zwischen uns. Doch wieder zuhause, habe ich mich sehr in meine eigene kleine Welt zurückgezogen. Ich war oft sehr still und nachdenklich, noch schneller gereizt als ohnehin schon und konnte kaum Nähe gegenüber Marc zulassen, obwohl ich es vielleicht gerade in diesem Moment sehr gebraucht hätte. Das alles hat mich einfach nur unendlich traurig gemacht. Marcs Oma ist für mich wie eine eigene Oma gewesen. Zudem fiel es mir sehr schwer, Marc so traurig zu sehen.

Ich persönlich habe ihr immer gewünscht, dass sie noch ein letztes Mal die Weihnachtszeit und das Weihnachtsfest miterleben darf. Das war immer ihre liebste Zeit im Jahr. Doch der Krebs war leider stärker. Vor etwas über drei Wochen hat sie den Kampf gegen den Krebs verloren und ist verstorben.

So haben wir uns, nur zwei Wochen nachdem wir uns das letzte Mal gesehen haben, wieder auf den Weg Richtung Flensburg gemacht, um an der Beerdigung von Marcs Oma teilzunehmen.

Ich fand die Beerdigung wunderschön. Diese hat mir noch einmal sehr bei der Trauerbewältigung geholfen. Auch wenn ich zuerst große Angst gehabt habe, dorthin zu gehen.

An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass die Beerdigung von Marcs Oma nicht nur eine meiner ersten Beerdigungen gewesen ist, sondern ich auch, dadurch, dass ich nicht getauft bin, bisher kaum in der Kirche gewesen bin und somit auch nicht mit den Abläufen der Kirche vertraut bin. Ich wusste überhaupt nicht, was auf mich zukommen wird.

Hinzu kamen Ängste und Sorgen, was das soziale Miteinander betrifft. Wie begegnet man jemanden, der gerade einen nahestehenden Menschen verloren hat? Vor allem, wenn man es so wie ich, eh nicht so mit Smalltalk und Co hat. Kann ich es ertragen, wenn so viele Menschen um mich herum traurig sind und vielleicht auch weinen? Und: Über was um Himmels willen unterhält man sich, kurz nach der Beerdigung, bei einem Leichenschmaus?

Die Beerdigung lief letztendich ganz klassisch ab. Zuerst fand eine Trauerfeier in der Kirche statt, bei der wir gemeinsam gesungen und gebetet haben und die Pastorin noch einmal etwas über Marcs Oma und ihr Leben erzählt hat. Danach wurde sie in ihrem Sarg, begleitet von Familie, Freunden, Verwandten und Bekannten, die einen langen Trauermarsch bildeten, zu ihrem Grab getragen. Am Grab selber beteten wir noch einmal gemeinsam und konnten, nach der Sargniederlassung, noch einmal an das Grab treten, um uns ein letztes Mal von ihr zu verabschieden und eine rote Rose in das Grab beizulegen. Anschließend fanden wir uns zu einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen in einer nahe gelegenen Gaststätte zusammen.

Während der Trauerfeier in der Kirche habe ich oft mit den Tränen zu kämpfen gehabt. Doch als der Sarg an mir vorbei getragen wurde, gab es kein halten mehr. Die Tränen liefen mir nur so über die Wangen. Das hatte so etwas Endgültiges. So bin ich auch aus der Kirche gegangen. Doch nach der Beerdigung habe ich mich zu meinem eigenen Verwundern irgendwie … gut … gefühlt.

Nachdem Marc und ich uns zuhause umgezogen haben, sind wir noch einmal ganz alleine zum Grab gefahren und anschließend zum Strand, um uns ein bisschen frische Luft um die Nase wehen zu lassen.

Im Nachhinein versuche ich, ihren Tod als Erlösung von dem Krebs zu sehen. Nun muss sie keine Schmerzen mehr haben und leiden.

Zudem bin ich sehr glücklich und dankbar darüber, dass wir mit ihr noch ein letztes Mal Marcs Geburtstag gemeinsam feiern durften und wir Anfang Oktober noch einmal ganz viel Zeit zusammen verbringen konnten, als wir die Woche an der Ostsee zu Besuch gewesen sind.

Und immer, wenn ich traurig werde (ich bin mir sicher, solche Momente wird es immer mal wieder geben), werde ich versuchen, mich an die vielen schönen Momente, die ich mit ihr gemeinsam gehabt habe, zu erinnern.

Denn:

Erinnerungen sind kleine Sterne,
die tröstend in das Dunkel unserer Trauer leuchten.


Nadine

Kommentare:

  1. Es tut mir sehr Leid für Euch, dass ihr einen geliebten Menschen gehen lassen musstet. Es hilft dann auch nicht so richtig zu wissen, dass das Leben eben so ist, denn es fühlt sich einfach nur Scheiße an.
    Aber schön, dass Du einen Menschen kennenlernen durftest, der für Dich wie eine eigene Oma war <3
    Meine Oma ist vor etwa 10 Jahren gestorben, und ich erzähle ihr immer noch alles. Ich habe das Gefühl, dass sie immer noch zuguckt. Das hilft mir damit umzugehen.

    Weinen konnte ich nicht als sie gestorben ist, denn - ENDLICH konnte sie gehen! Sie musste so lange leiden! Ich fühlte mich gut, meine Oma war fertig mit dem Leben, und dann dufte sie gehen- das wollte sie.

    Liebe Grüße Das Huhn

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  2. Vielen Dank für deine lieben Worte! Mir geht es ähnlich wie dir. Ich glaube auch ganz fest daran, dass Marcs Oma vom Himmel aus zusieht, was wir hier unten auf der Erde alles so machen. So wird sie immer ein Teil von uns bleiben.

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