2019/06/12

Großartige Neuigkeiten

Schon fast ein Jahr ist es nun her, seitdem ich hier auf meinem Blog den letzten Beitrag verfasst habe. In dem vergangenen Jahr ist viel Neues und Aufregendes passiert. Ich habe mir mehrere Unterstützungsangebote für Menschen mit Autismus angesehen, tatsächlich einen Job gefunden und bin endgültig von Zuhause ausgezogen. Aber Eines nach dem Anderen. :)

Alles fing damit an, dass ich im Juni letzten Jahres, kurz nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, zwei Beratungsgespräche im Zentrum für Autismus-Kompetenz, auch ZAK genannt, in Hannover gehabt und mich dort über meine weitere Zukunft beraten lassen habe. Der Wunsch nach einem Job und dem Wiedereinstieg in das Berufsleben nach über sechs Jahren Arbeitsunfähigkeit wurde nämlich immer größer. Für diesen großen Schritt benötigte ich jedoch etwas Hilfe, um die bevorstehenden Bewerbungsgespräche und alles, was noch so dazugehört, meistern zu können. Deshalb habe ich mich entschieden gehabt, nachdem ich zwischenzeitlich auch ein Beratungsgespräch bei SALO+PARTNER in Hannover hatte, an dem Coaching vom ZAK teilzunehmen und die Kostenübernahme dafür über die Eingliederungshilfe zu beantragen. Ich habe mich nämlich auf Anhieb sehr wohl im ZAK gefühlt und war begeistert von dem vielfältigen und individuellen Angebot dort. Und auch die Gründerin und Leiterin vom ZAK, mit der ich gesprochen habe, war sehr freundlich, einfühlsam und verständnisvoll. Solchen Menschen begegnet man leider nur noch selten. Denn ich muss zugeben, dass ich, vor allem in den letzten Jahren, doch sehr häufig auf Ablehnung und Unverständnis gestoßen bin, was meine Behinderung betrifft.

Nichtsdestotrotz habe ich weiterhin jeden Tag fleißig Ausschau nach Jobs gehalten, die zu mir passen könnten. Und so bin ich auch Ende September auf die Internetanzeige meines absoluten Lieblingsbäckers gestoßen, die für ihre Produktion noch eine Reinigungskraft in Teilzeit suchten. Eigentlich wollte ich dort per Mail erst einmal nur ein paar Fragen zu dem ausgeschriebenen Job klären, doch es landete prompt eine Einladung zu einem Telefongespräch in meinem Postfach. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie groß die Aufregung war! Daraufhin habe ich mich dann durch mehrere Telefongespräche, ein Bewerbungsgespräch und einen Probearbeitstag gekämpft und den Job tatsächlich ergattern können. Und das alles ganz alleine! Diese Chance konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen. Mittlerweile arbeite ich nun schon über neun Monate in der Bäckerei und bin dort im April sogar fest übernommen worden. Denn ich konnte dort schon gleich im Oktober anfangen. Darüber bin ich sehr glücklich und stolz! Ich arbeite in der Bäckerei 30 Stunden in der Woche, jeweils fünf Stunden am Tag. Auch an den Samstagen. Die ersten drei Stunden bin ich in der Spülecke tätig und wasche mithilfe einer großen Spülmaschine sämtliche Bleche, Körbe und Kisten durch. Die restlichen zwei Stunden helfe ich dann in der Produktion mit und mache dort die Türen von den Kühlzellen und dem Gärraum oder auch die Regale sauber. Hat ein Mitarbeiter aus meinem Team Urlaub oder ist krank, dann helfe ich auch oft mit, den Boden dort sauber zu machen. Das mag für den Einen oder Anderen vielleicht sehr eintönig klingen, aber mir macht es Spaß. Vor allem, die große Spülmaschine zu bedienen. :)

Der Sozialpsychiatrische Dienst hat sich zwischendurch auch bei mir gemeldet und mich, nachdem ich wieder einmal etliche Fragebögen ausfüllen musste, im November zu einer Hilfekonferenz eingeladen, in der wir dann gemeinsam alles Weitere besprochen haben. Ich habe mich jedoch aufgrund meines neuen Jobs letztendlich gegen das Coaching vom ZAK entschieden. Ich kann mich aber jederzeit wieder beim Sozialpsychiatrischen Dienst sowie beim ZAK melden, wenn ich in irgendeiner Form Unterstützung benötige. Und so landete im Januar dann letztendlich der Ablehnungsbescheid in unseren Briefkasten.

Und dann wäre da noch mein Auszug von Zuhause. Seit Anfang März bin ich nämlich komplett von Zuhause ausgezogen und wohne nun gemeinsam mit Marc in unserer Drei-Zimmer-Wohnung in einem kleinen Dörfchen in der Nähe von Hannover. Seit Anfang März ist Marc nämlich wieder aus Berlin zurück und wir können endlich wieder unseren Alltag gemeinsam bestreiten.

Nichts ist also unmöglich! Trotz Behinderung! Oder vielleicht auch gerade deswegen! Wie hat Astrid Lindgren einmal gesagt:

„Lass dich nicht unterkriegen! Sei frech und wild und wunderbar.“

Nadine

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