2016/11/27

Nicht schon wieder

Ich habe letzte Woche Freitag endlich meinen Folgetermin beim Hautarzt gehabt, um mir dort meine Warze am Knie entfernen zu lassen. Eigentlich hätte diese schon vor ein paar Wochen zusammen mit meinem Muttermal auf dem Rücken entfernt werden sollen, doch ich war an diesem Tag so nervös und aufgeregt, dass meine Hautärztin und ich uns schnell einig waren, dafür ein paar Wochen später noch einmal einen neuen Termin zu vereinbaren.

Doch leider hat sich bei dem erneuten Termin herausgestellt, dass meine Warze am Knie höchstwahrscheinlich gar keine Warze ist, und diese nicht, wie ursprünglich geplant, einfach ausgestanzt werden kann, sondern herausgeschnitten werden muss. Meine Hautärztin war sich nämlich zu dem Zeitpunkt leider nicht sicher, um was es sich bei der betroffenen Hautstelle denn dann handeln könnte. Deshalb wollte sie sicherheitshalber eine Probe davon in das Labor schicken und diese untersuchen lassen.

Das war für mich das Schlimmste, was hätte passieren können! Nicht schon wieder ein operativer Eingriff unter örtlicher Betäubung! Nicht schon wieder lästiges Pflaster wechseln! Und nicht schon wieder unangenehmes und schmerzhaftes Fäden ziehen! Genauso wie vor ein paar Wochen bei meinem Muttermal auf dem Rücken. Und das alles auch noch ganz spontan und völlig unvorbereitet. Ich muss gestehen. Für einen kurzen Moment habe ich sogar überlegt, ob ich meine Hautärztin nicht bitten sollte, den Eingriff zu verschieben, doch das hätte mich letztendlich auch nicht weitergebracht. Außerdem habe ich ja eingesehen, dass der Eingriff einfach medizinisch notwendig ist, um zu klären, wobei es sich nun bei der betroffenen Hautstelle handelt. Nicht das dort doch etwas Bösartiges wie Hautkrebs dahintersteckt. Deshalb dachte ich mir irgendwann nur: „Augen zu und durch! Du schaffst das schon irgendwie!“.

Nachdem ich voller Zuversicht auf der Liege Platz genommen und mich darauf hingelegt hatte, ging es auch schon los. Meine Hautärztin setzte zuerst rund um die Hautstelle die örtliche Betäubung, schnitt diese dann heraus und nähte anschließend die entstandene Wunde mit vier Stichen wieder zusammen. Jedoch wurde ich, so sehr ich mich auch bemühte ruhig zu bleiben, von Minute zu Minute immer unruhiger und drohte insbesondere während des Nähens – genau wie bei dem letzten Mal - wieder zu hyperventilieren. Ich habe immer schneller und tiefer geatmet, fing am ganzen Körper an zu zittern und zu schwitzen und meine Beine sind immer wieder ungewollt hochgezuckt. Es war ein einziger Kampf. Sowohl für mich, als auch für meine Hautärztin. Die Arzthelferin, die meiner Hautärztin während des Eingriffs assistierte, versuchte mich dann zwischenzeitlich mit etwas Traubenzucker abzulenken, welchen ich alleine auspacken und langsam auf der Zunge zergehen lassen sollte. Ich selber habe nämlich ehrlich gesagt in dem Moment gar nicht mehr daran gedacht, zum Beispiel meinen Knetball, den ich immer in meiner Umhängetasche bei mir trage, herauszuholen und diesen zur Ablenkung in meinen Händen zu kneten. Denn seitdem ich erfahren habe, dass ein operativer Eingriff unumgänglich ist, stand ich einfach nur völlig neben mir.

Nach einer knappen halben Stunde hatte ich es dann endlich geschafft und durfte mit einem weiteren Päckchen Traubenzucker und einem Becher Wasser noch ein Weilchen auf einer Liege im Nebenraum meine Beine hochlegen und mich dort etwas ausruhen.

Die Tage danach habe ich mich wie ein einbeiniger, hinkender Pirat mit Holzbein gefühlt, da ich mit meinem rechten Bein, an dem sich die Wunde befindet, kaum auftreten konnte und ich so mehr durch die Gegend gehumpelt als gelaufen bin. Doch ich merke wie es zum Glück von Tag zu Tag besser wird. Auch duschen durfte ich nach drei Tagen schon wieder. Allerdings musste ich dieses Mal das Duschpflaster selber wechseln. Diese Prozedur bin ich dann den einen Abend gemeinsam mit meiner Mama angegangen. Eigentlich sollte meine Mama die alten drei Pflaster so schnell und schmerzfrei wie möglich abziehen und dann ganz schnell das Duschpflaster darauf kleben, damit ich die frische Wunde nicht sehen muss. Ich kann mir nämlich so frische Wunden einfach nicht ansehen. Die Fäden, die Jodsalbe … Da wird mir jedes Mal schlecht. Doch dann habe ich mich kurzfristig dazu entschlossen meine Angst zu überwinden und die Sache selbst in die Hand zu nehmen. So saß ich dann auf dem Toilettendeckel im Badezimmer und habe mir tapfer nach und nach, während ich mir immer wieder versuchte einzureden, dass es nur eine Wunde ist, die drei Pflaster ganz vorsichtig abgezogen. Ich habe dann sogar doch noch einen kurzen Blick auf die Wunde geworfen. Irgendwie hat es mich ja doch interessiert, wie es darunter aussieht. Nur das Duschpflaster musste meine Mama mir dann doch noch auf die Wunde kleben. Dafür hat mein neugewonnener Mut dann doch nicht mehr ganz gereicht.

Dreckspatz Duschgel Alles wird gut

Meine Mama hat mir übrigens, nachdem sie von meiner Operation am Knie erfahren hat, als kleine Aufmunterung die Dreckspatz „Hab Spaß“ Badebox geschenkt, worüber ich mich sehr gefreut habe. Dort sind nicht nur drei verschiedene Badezusätze, sondern auch ein Duschgel drin gewesen. Das Duschgel, welches passenderweise „Alles wird gut“ heißt, ist seitdem regelmäßig im Einsatz.

Jetzt muss ich nur in ein paar Tagen noch einmal beim Fäden ziehen die Zähne zusammenbeißen. Doch das schaffe ich auch noch! Mittlerweile habe ich darin ja schon unfreiwillig Übung.

Nadine

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