2015/09/17

Das Persönliche Budget (6) oder auch die nie enden wollende Geschichte

In den letzten Wochen ist einiges passiert.

Ich habe Ende Juli endlich die Hilfekonferenz gehabt (nach über sieben Monaten Wartezeit, von Antragsstellung bis hin zu diesem alles entscheidenden Gespräch).

Gleich morgens haben Marc und ich uns auf dem Weg Richtung Hannover zum Sozialpsychiatrischen Dienst gemacht und dort etwas über eine Stunde lang mit einer Psychologin, einer Pädagogin und einer Angestellten von der Stadt, welche lediglich für den finanziellen Teil verantwortlich gewesen ist, an einem runden Tisch sitzend gesprochen. Erfolglos.

Mein Antrag auf das Persönliche Budget wurde abgelehnt. Als Begründung wurde uns genannt, dass die meisten von mir angegebenen Maßnahmen „medizinischer Natur“ seien und im Zuständigkeitsbereich der Krankenkasse liegen würden.

Doch das Problem ist, dass sich meine Krankenkasse leider für mich im Moment auch nicht zuständig fühlt. Diese übernehmen erst nach einer zweijährigen Therapiepause die Kosten für weitere Therapien wie z.B. Tiefenpsychologie, da ich ja gerade erst 80 Stunden Verhaltenstherapie gemacht habe.

Die Enttäuschung, Traurigkeit und Wut war (und ist auch immer noch) riesengroß. Wir haben sogar kurzzeitig die Hilfekonferenz unterbrechen müssen, da ich nichts mehr zu sagen wusste und mir nur noch die Tränen gelaufen sind. Mit solch einer Entscheidung habe ich überhaupt nicht gerechnet.

Um mich nicht komplett ohne etwas nach Hause zu schicken, wurde mir dann auf die Schnelle angeboten, dass ich die Kreativschule besuchen könne, da sie mit dieser Einrichtung zusammenarbeiten würden (so viel zum Thema Entscheidungsfreiheit). Zudem würde ich auch die dazugehörigen Fahrtkosten erstattet bekommen. Ich muss zugeben, dass ich nicht ganz davon abgeneigt bin, die Kreativschule zu besuchen, da ich bereits selbst vor der Hilfekonferenz auf die Kreativschule aufmerksam geworden bin, doch irgendwie ist das nicht das, was ich im Moment vorrangig brauche.

Seitdem hat sich in der Hinsicht kaum etwas getan. Zwar landete nach fast vier Wochen Wartezeit endlich der Ablehnungsbescheid in unserem Postkasten, doch eine Antwort auf meine E-Mail, in der ich noch einmal Fragen zu der Kreativschule und den dazugehörigen Fahrtkosten gestellt habe, habe ich bis heute noch nicht erhalten.

In den letzten Wochen ging es mir daher gar nicht gut und ich habe mich mal wieder sehr in meine eigene kleine Welt zurückgezogen. Die Art und Weise wie die Hilfekonferenz abgelaufen ist, die Ablehnung meines Antrags, das ewige Warten auf Nichts und vor allem das Gefühl versagt zu haben … zu viel!

Offenbar haben weder Marc, noch ich verstanden, was das Persönliche Budget ist und was genau es beinhaltet.

Das Gedankenkarussell drehte sich mal wieder unaufhörlich und die Fragen türmten sich nur so in meinem Kopf. Warum hat sich der Sozialpsychiatrische Dienst nicht früher bei mir gemeldet? Warum gibt es keine eindeutigen und verständlichen Informationen über das Persönliche Budget? Warum wissen selbst die Mitarbeiter vom Sozialpsychiatrischen Dienst nicht genau, was das Persönliche Budget ist und was es beinhaltet, wenn man danach fragt? Warum haben sie uns kein Informationsmaterial in Form eines Flyers, einer Broschüre oder ähnliches aushändigen können? Warum hat mich meine Neurologin nicht schon darauf hingewiesen, als sie die Fachärztliche Stellungnahme für den Antrag auf das Persönliche Budget ausgefüllt hat, dass ich mit den angegebenen Maßnahmen nichts erreichen werde? Warum lässt man mich so gegen die Wand laufen?

Da wird man irgendwie das Gefühl nicht los, dass gar nicht gewollt wird, dass man finanzielle Unterstützung erhält.

Fest steht: wir sind mal wieder kläglich im Behördendschungel gescheitert.

Ganz oft schwanke ich in den letzten Wochen zwischen „Jetzt erst recht!“ und „Ich will nicht mehr“ … wobei letzteres meist überwiegt. Das ist alles furchtbar frustrierend!

Nadine

Kommentare:

  1. Oh nein, ich habe Dir doch so die Daumen gedrückt. Und nun? Alles noch mal von vorne? Mit anderen "Zielen", die das Budget abdecken soll? Oder erst mal "nur" Krativschule? (Was genau ist überhaupt Kreativschule?)

    Alles Liebe,
    das Huhn

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    1. Vielen lieben Dank für das Daumendrücken! :)

      An der Tatsache mit dem Persönlichen Budget lässt sich leider nicht rütteln. Da komme ich so nicht weiter. Doch so wie es aussieht, komme ich höchstwarscheinlich auf anderem Wege zu meinem Glück und kann bald wieder Ergotherapie machen und ganz vielleicht auch eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (was für ein kompliziertes Wort!) beginnen. Darüber werde ich allerdings die Tage noch einmal genauer hier auf dem Blog schreiben. :)

      Die Kreativschule ist übrigens eine Einrichtung in Hannover, in der sich Menschen mit psychischen Problemen treffen und gemeinsam künstlerisch tätig werden können, wie zum Beispiel gemeinsam malen, musizieren oder auch Yoga machen.

      Falls du noch mehr darüber wissen möchtest, kannst du dir ja mal die Internetseite der Kreativschule anschauen:

      http://www.aue-kreativschule.de/

      Liebe Grüße,
      Nadine

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