2015/03/07

Das Persönliche Budget (3)

Was für eine Woche!

Am Montag habe ich – nach über vier Wochen Wartezeit – ein Gespräch mit meiner Psychiaterin gehabt, indem es darum ging, die fachärztliche Stellungnahme für das Persönliche Budget auszufüllen (so einen Bogen, den ich zugeschickt bekommen habe).

Da die Aufregung vor diesem Termin meinerseits sehr groß gewesen ist, habe ich mir Marc als seelische Unterstützung mitgenommen, doch dieser durfte erst gar nicht mit ins Sprechzimmer reinkommen. Die erste große Enttäuschung. Im Sprechzimmer angekommen, hat meine Psychiaterin sich sehr darüber gewundert, warum ich überhaupt jemanden mitnehmen wollen würde. Immerhin wäre ich doch schon 23 Jahre alt. Das sollte doch auch so zu schaffen sein. Sie kenne das nur von unter 18-jährigen oder älteren Menschen, dass diese in Begleitung kommen würden. Die zweite große Enttäuschung. Diese Aussage hat mich sehr getroffen. Außerdem hat es mir gezeigt, dass sie offenbar nichts von mir und meiner Problematik verstanden hat. Ab diesem Zeitpunkt ging bei mir so gut wie gar nichts mehr – kopftechnisch. Das Gefühl der Enttäuschung hatte mich wortwörtlich überrollt.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal loswerden: Nur weil man mir meine Behinderung nicht ansieht, heißt dass nicht, dass ich keine Probleme und Schwierigkeiten habe!

Auch das weitere Gespräch lief sehr bescheiden. Das Persönliche Budget kannte meine Psychiaterin leider nicht. Ich habe zwar versucht ihr zu erklären, was das Persönliche Budget ist und was ich damit machen möchte, doch ich glaube nicht, dass sie nun weiß, wobei es sich um das Persönliche Budget handelt. Dafür standen einfach noch zu viele Fragezeichen auf ihrem Gesicht. Den Bogen hat sie sich zwar durchgesehen und auch ein paar Worte dazu gesagt, doch es hat sich relativ schnell rausgestellt, dass sie die meisten Fragen nicht beantworten kann. Diese sollte ich dann zuhause beantworten und am nächsten Tag bei ihr reinreichen. Öh ja. Das sind dann mal so eben fast 80 % des Bogens gewesen. Innerlich war ich damit überhaupt nicht einverstanden, nach außen hin habe ich nur „ja“ gesagt und alles einfach so hingenommen. So langsam machten sich neben Enttäuschung auch Wut und Verzweiflung breit. Das hatte ich mir irgendwie alles anders vorgestellt. Ich habe mich völlig übergangen gefühlt. Im Wartezimmer, als ich mir meine Jacke angezogen habe, musste ich mich ganz schön zusammenreißen, nicht gleich loszuheulen. Nun kritzeln meine Psychiaterin und ich im Bogen gemeinsam rum. Das passt in meinem Kopf überhaupt nicht zusammen. Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob ich das überhaupt ausfüllen darf bzw. ob das überhaupt meine Aufgabe ist?!

Zuhause angekommen, habe ich mich dennoch mit Marc an den Bogen gesetzt und versucht, die Fragen zu beantworten. Doch die Zeit war knapp, mein Kopf voll bis obenhin und ich emotional total aufgewühlt. Konzentration also gleich null. Außerdem sind die Fragen viel zu offen gestellt gewesen. Ich wusste einfach nicht, was für eine Antwort erwartet wird, wie weit ich ausholen soll, was bedeutend ist und was eher unbedeutend? Zudem wusste ich nicht, wie ich meine Antworten formulieren soll. Ich konnte ja wohl schlecht in einem Bogen der mich und meine derzeitige Situation beurteilen soll in der Ich-Form schreiben, oder? Doch aus der Sicht von jemand anderem zu schreiben bzw. „neutral“ zu schreiben, fiel mir super schwer. Kurz gesagt: Ich war mit dem Ausfüllen des Bogens komplett überfordert. So kam es, dass ich mich letztendlich bei meiner Psychologin gemeldet und um einen Notfalltermin gebeten habe. Zum Glück habe ich am Freitag spontan einen Termin bekommen. Dafür bin ich immernoch sehr dankbar! Der Tag war dennoch gelaufen. Am Abend gab es noch einige Tränen. Ich habe mich von meiner Psychiaterin einfach überhaupt nicht ernst genommen gefühlt.

Am nächsten Tag hat es mich echt viel Überwindung gekostet dort ein zweites Mal hinzugehen und die Sache mit dem nicht ausgefüllten Bogen zu klären. Ich habe schon die ganze Zeit ein ungutes Gefühl gehabt. Und was soll ich sagen? Mein ungutes Gefühl hat sich bestätigt. Es lief genauso bescheiden wie am Tag zuvor. Als ich im Wartzimmer saß, hat die Sprechstundenhilfe mich gebeten, ihr den Bogen zu geben, damit sie schon einmal einen Blick darauf werfen kann. So habe ich natürlich nicht die geringste Chance gehabt überhaupt ein Wort dazu zu sagen. Ich habe mich schon mit ihr diskutierend im Wartezimmer gesehen – vor all den anderen Patienten. Doch sie hat mich glücklicherweise kurz danach nach vorne zum Empfang gerufen und mir offenbart, dass das ein bisschen wenig sei. Nachdem ich ihr daraufhin versucht habe zu erklären, dass ich den Bogen nicht alleine ausfüllen kann, aber ein Gespräch mit meiner Psychologin am Freitag vereinbart habe, kam auch endlich meine Psychiaterin dazu. Ihr habe ich noch einmal dasselbe versucht zu erklären. Nebenbei durfte ich mir von der Sprechstundenhilfe anhören, dass ich ja schon einmal dies und das hätte ausfüllen können. Nur blöd, dass sie den Teil meinte, den meine Psychiaterin ausfüllen wollte … Ohne Worte. Auch meine Psychiaterin konnte nicht verstehen, warum ich den Bogen nicht ausgefüllt habe. Sie versuchte mir dann zwischen Tür und Angel die Fragen, bei denen ich besonders große Schwierigkeiten gehabt habe, zu erklären. Erfolglos. Letztendlich habe ich dann den Antrag wieder mitnehmen müssen, da meine Psychiaterin das, was ich ausfülle, erst sehen muss, bevor sie etwas ausfüllen kann. Also darf ich dort nächste Woche wieder hinfahren. Die Freude ist groß …

Fortsetzung folgt!

Nadine

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